Hamburg. Wasserkunst Kaltehofe

Wasserkunst Kaltehofe

Es gibt ja so Orte, da war man noch nie.
Obwohl sie mitten in der eigenen Stadt liegen, in der eigenen Heimatstadt, um genau zu sein.

Solch ein Ort war bei mir Kaltehofe, bis gestern.
Kaltehofe ist eine Insel in der Elbe, sie gehört zu dem innenstadtnahen Stadtteil Rothenburgsort und zum Bezirk Mitte.
Auf dieser Elbinsel wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine Elbwasserfilteranlage errichtet.
Heute machen wir den Wasserhahn auf und es kommt sauberes, klares, trinkbares, neutral schmeckendes Trinkwasser heraus.
Noch vor 150 Jahren wurde das Trinkwasser aus dem gleichen Gewässer entnommen wie Abwasser eingeleitet wurde, beides ungefiltert. Cholera- und Typhusinfektionen wundern einen da gar nicht mehr, fast wundert es einen stärker, dass nicht noch viel mehr Menschen daran erkrankten und starben, dass überhaupt jemand überlblieb, sozusagen.

Schieberhäuschen Kaltehofe

In 22 Filterbecken wurde mittels Sandfiltration Elbwasser gereinigt. Erst 1990, also wirklich fast vorgestern, wurde die Anlage stillgelegt. Heute sorgen dezentrale Wasserwerke für die Wasserversorgung Hamburgs aus gereinigtem Grundwasser.

Die aus rotem Backstein gebauten Schieberhäuschen, in denen der Wasserstand der Becken geregelt wurde, sind teils noch gut erhalten, teils verfallen sie. Der Verfall ist kalkuliert, denn die Natur erobert sich mit vielfältiger Flora und Fauna das Areal zurück.

Schieberhäuschen in Kaltehofe

Und was hat das nun alles mit Kunst zu tun?

Wasserkunst nannte man tatsächlich schon im Mittelalter Anlagen zur Wasserversorgung von Burgen.
Aha. Wieder was gelernt.
Und heute mutet das gesamte Areal mit den kleinen backsteinernen Schieberhäuschen und der historischen Villa wie Kunst im öffentlichen Raum an.
So im Kleinen beeindruckt hat mich auch Wasserkunst, die jeder Besucher für sich selber erleben kann, indem er mit Klopfen auf eine wassergefüllte Klangschale seine eigenen Resonanzen auf dem Wasser erzeugt.

Resonanz Klangschale Wasserkunst Kaltehofe

Ich sage, es ist Kunst.
„Alles Physik“, sagt mein Mann.

Künstlerisch gestaltet ist der moderne, quasi aus dem Wasser auftauchende Kubus neben der historischen Villa. Schöner Kontrast schon mal.
Im Inneren haben Heller Architects and Designers eine fiktive Bildhauerwerkstatt geschaffen. Wenn man sich drauf einlässt, betritt man ein Künstlerrefugium, in dem gerade an Brunnen und Wasserspielen für die Stadt Hamburg gearbeitet wird. Klanginstallationen sind zu hören.
Skulpturen in Arbeit sind zu sehen.
Der Künstler scheint vielleicht nur gerade mal Pause zu machen.
Wasserkunst.

Künstlerwerkstatt Cubus Kaltehofe

Hygieia-Brunnen

Die stolze Dame ist die Göttin Hygieia, die den Brunnen im Innenhof des Hamburger Rathauses krönt.

Da könnte man eigentlich auch mal wieder hingehen.
Das ist zwar ein Ort, an dem ich schon mal war. Aber es ist lange her…

 

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Madeira. Drei Tage – drei Highlights

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Donnerstag, 16. März 2017: Mein heutiges Highlight liegt im Altstadtviertel.

Im Altstadtviertel rund um die Rua Santa Maria haben lokale Künstler im Rahmen des Kunstprojekts artE de pORtas abERtas ganz normale Türen künstlerisch und sehr verschieden gestaltet. Das gefällt mir: Kunst im öffentlichen Raum und im Vorbeigehen.

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Freitg, 17. März 2017: Mein heutiges Highlight sind die Kamelien in den Palheiro Gardens.

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Ich liebe Kamelien. Sie sind so zart, haben so wunderschöne Farben. Sie haben so etwas Leichtes und Frühlingshaftes. Ich finde auch das Ballett „Die Kameliendame“ von John Neumeier und die Verdi-Oper „La Traviata“ großartig. Eine anrührende Geschichte von Leben und Tod, voll  Liebe und auch Enttäuschung. Die Kamelien in den Palheiro Gardens stehen in voller Blüte, teils fallen die schönen Blüten aber auch schon verwelkt ab. Das passt irgendwie zu dem Ballet und der Oper.

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Die Palheiro Gardens selber wurden in der heutigen Form 1885 von der britischen Weinhändlerfamilie Blandy im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt.
Sie liegen etwa 9 km östlich von Funchal auf 600 m Höhe. Man kann von Funchal aus bequem in 20 min. mit dem Linienbus hinfahren. Tolle Ausblicke inklusive.

Auch Protea blüht dort momentan ( auch Zuckerbusch genannt ). Aber mein persönliches Highlight sind die Kamelien.

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Sonnabend, 18. März 2017: Mein heutiges Highlight ist eine Levada-Wanderung durch duftenden Eukalyptuswald.

Heute morgen schüttete es wie aus Eimern, als ich um 9 Uhr losging, um an einer geführten Wanderung durch das Serra D’Agua Tal und mit Blick auf den Encumeada Pass teilzunehmen.

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Ich bin mir sicher, dass ich allein heute meinen inneren Schweinehund nicht hätte besiegen können.
Unsere einheimische Wanderführerin hat später mehrere Leute zurückgeschickt bzw. vom Busfahrer ins Hotel zurückbringen lassen, weil sie keine passenden Schuhe anhatten. Wer wasserdichte Wanderschuhe hatte, war klar im Vorteil. Warum jemand auf so eine Wanderung bei solchem Wetter helle Wildleder-Schuhe anzieht, fragt man sich denn auch ernsthaft.
Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, mitzuwandern, weil wir entlang des Levada-Kanals durch Eukalyptuswald gewandert sind. Er hat wunderbar geduftet. So intensiv duftet es nur, wenn es nass und warm ist.

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Wir sind an dem  Häuschen eines Levadareiros vorbeigekommen. Das ist ein Wasserwärter, könnte man sagen.  Er regelt die Wasserversorgung der Levadas seines Gebiets, ähnlich wie bei einer Schleuse. Und er ist auch für die Wasseraufbereitung zu Trinkwasser zuständig. Levadareiro ist ein angesehener Beruf auf Madeira. Vor der Tür sieht man Eduardo stehen. Er ist schon 30 Jahre lang Levadareiro.

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Zum Ende der Wanderung kam sogar die Sonne nochmal ein bisschen raus.

Mein Highlight des heutigen Tages jedoch bleibt der Duft nach Eukalyptus im Eukalyptuswald.

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Nichts ist so, wie es scheint.

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Wer ist der Mann im Spiegel? Wie sieht er sich selbst? Wie sieht ihn der Betrachter? Was ist Wirklichkeit? Was ist Täuschung? Bei diesem Bild von René Magritte von 1937 mag der eine Betrachter überrascht sein, von dem, was er sieht. Der andere mag belustigt sein, ein weiterer mag den Widerspruch zwischen der Spiegelung des Mannes und der des Buchs sehen. Momentan ist dieses Gemälde, das mich spontan sehr fasziniert hat, in der Hamburger Kunsthalle zu bewundern. In einer wirklich gelungenen Ausstellung zur Kunst des Surrealismus.
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Is this an armchair? – Auf jeden Fall für Salvadore Dali! Manchmal sind Dinge eben anders, als wir sie uns vorstellen.  Momentan ist auch diese Skulptur in der Surrealismus Ausstellung der Hamburger Kunsthalle zu sehen.
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Es liegt im Auge des Betrachters: Ein Hase?“ Ein gerissener Hase“?, wie der Künstler Dieter Roth, 1930-1998, es beschriftet?, Eine Insel im Wasser? Eine  Landkarte? Dieses Bild hängt bei einem Privatsammler. Es hängt in den Räumen einer Rechtsanwaltskanzlei im feinen Hamburger Stadtteil Harvestehude. Einer der Gründungspartner der Kanzlei förderte den Künstler Dieter Roth. Entdeckt gestern bei der addart, bei der Hamburger Unternehmen vier Tage lang Einblick in ihre Privatsammlungen geben.
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Bin ich schön? Und wer entscheidet das? Derjenige oder Diejenige, der oder die ein Selfie in das soziale Netzwerk Instagram einstellt? Oder der Betrachter? Die Künstlerin Josephine Sagna, die ihr Bild „Forever twenty-one“ erläutert, transferiert Selfies aus dem flüchtigen Medium Instagram in die traditionelle Malerei mit Acrylfarben auf Leinwand. Sie sucht dabei nach starken Frauen. Frauen, die in ihrer Wahrnehmung Kraft und Stärke ausstrahlen. Ob sie auch wirklich so sind, wer vermag das schon zu sagen? Gesehen gestern bei der addart – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst-. Bei vangard wird den persönlich anwesenden Nachwuchskünstlern ein Raum gegeben.
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Wer ist diese Frau? Ist sie keck, frivol, erotisch, genervt, neugierig? Sie scheint mit ihrer Umgebung zu verschmelzen, sich irgendwie aufzulösen? Oder? Der erst 23 Jahre alte Künstler Lukas Siemoneit sagt, er wisse es auch nicht…- Gesehen bei vangard auf der addart.
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Diese Installation ist nur ein kleiner Teil einer großen Installation, die mal auf einer Wiese auf dem Krankenhausgelände Barmbek zu sehen war. Zuerst löste die Installation Befremden aus, nach dem Motto „Was sollen die Plastikflaschen mit Leuchtdioden hier?“. Nach einiger Zeit sahen Mitarbeiter des Krankenhauses und Patienten wahlweise eine Wiese mit blühenden Blumen darin oder einen Sternenhimmel oder Lichtblicke. Der Künstler, der seine Installationen immer nur temporär irgendwo ausstellt, hat sich am Ende sogar bereit erklärt, seine Exposition um ein halbes Jahr zu verlängern. Manchmal braucht es eben auch einen zweiten oder dritten Blick…- Heute steht dieser kleine Teil des Kunstwerks bei der Firma Lohmann konzept im Büro eines Gesellschafters und Sammlers .

Was ich immer wieder toll finde an der Kunst, ist, dass sie die Perspektive öffnet.
Menschen und Dinge sind nicht so, wie ich es sehe oder wie ich meine, dass es ist oder sein müsste. Es gibt so viele Sichtweisen und keine ist richtig oder falsch. Wer wollte darüber entscheiden?

Berlin. Entdeckung des Reichstags.

Komisch. Von 1966 bis 2006 war ich nie in Berlin. Man hätte ja durch „die Zone“ müssen, wie es bei uns im Westen flapsig hieß.
Als ich dann 2006 das erste Mal in Berlin war, gefiel es mir nicht.
2016 nun bin ich in kurzer Zeit gleich zweimal dort gewesen. Und ich sehe eine Stadt, die mir gefällt.
Das absolute Highlight meines Besuchs letzte Woche:

Eine Führung durch das Reichstagsgebäude. Müsst ihr mal machen. Allerdings nicht ohne vorherige online-Anmeldung, denn dann ist Schlangestehen oder Gar-nicht-Reinkommen vorprogrammiert.
Die geschichtlichen Fakten könnnt ihr bei Wikipedia mühelos nachlesen. Die schreibe ich hier nicht noch einmal auf.

Was mich schwer beeindruckt hat:

Es gibt überall innen im Reichstagsgebäude Inschriften an den Sandsteinwänden, die von sowjetischen Soldaten bei Kriegsende angebracht wurden. Meist schreiben sie ihren Namen, ihre Heimatstadt, aber auch Siegparolen. Inschriften mit sehr beleidigendem Inhalt oder obzönem Inhalt wurden in den 1990ern mühevoll entfernt, denn der weiche Sandstein hat die Holzkohle, die die Soldaten zum Schreiben benutzt haben, sehr aufgesogen.

 

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Was mich auch schwer beeindruckt hat:

Der Bundesadler, der von Bonn mit umgezogen ist und in diesem Zuge vergrößert wurde, damit er von den  Proportionen her in den neuen Plenarsaal passt, ist 60 qm groß.  Also so groß wie eine durchschnittliche Zwei-Zimmer-Wohnung. Hej!

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Was mich noch schwer beeindruckt hat:

Wie kann es anders sein bei einem Kunstfan wie mir: Kunst im Reichstagsgebäude.

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Ein französischer Künstler schuf 1999 ein begehbares Kunstwerk aus lauter aufeinander geschichteten Blechkästen. Auf jedem Blechkasten steht ein Name eines demokratisch gewählten (!) Abgeordneten, der von 1919 bis 1999 in den Reichstag/Bundestag gewählt worden ist. Opfer des Nationalsozialismus sind mit einem schwarzen Band gekennzeichnet.
Es ist überwältigend, durch die Installation zu gehen. Wie wertvoll unsere Demokratie doch ist, dachte ich. Wie dankbar ich bin, in demokratischen und rechtsstaatlichen Zeiten zu leben.

 

Was mich noch schwer beeindruckt hat:

Man kann ganz nah neben der Reichstagskuppel stehen.

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Der Blick von der Reichstagskuppel-Terrasse auf Berlin ist spektakulär.

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Und es gibt ein ausgeklügeltes Wärmerückgewinnungs-Solarenergie-Energiesparkonzept. Hätte ich gar nicht gedacht. Technisch habe ich es nicht ganz verstanden, aber es geht ja ums Prinzip und um die Umwelt. Das zählt.

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Dieser Trichter im Inneren der Reichstagskuppel ist Teil des modernen Energiekonzepts. Wenn man’s nicht wüsste, könnte man es auch glatt schon wieder für Kunst halten.

Im nächsten Jahr werde ich öfter mal in Berlin sein.
Wenn ich etwas Beeindruckendes entdecke, dann gibt’s ’nen neuen Blogbeitrag.

 

 

Israel. Tel Aviv.

Tel Aviv ist Tel Aviv. Es passt in keine Schublade.

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Tel Aviv ist jung und gechillt.

Überall sieht man junge Leute, viele Paare mit kleinen Kindern, mehreren kleinen Kindern. In Deutschland überwiegen da doch die jungen Ein-Kind-Familien.
Ich bin kurz vor und am Pessach-Fest hier. Das Pessach-Fest feiert den Auszug der Israeliten aus Ägypten ca. 1300 v. Chr. und hat in etwa die Bedeutung für jüdische Gläubige wie Weihnachten für die Chritsten. Da haben sicherlich auch einige frei. Sonst kann es gar nicht sein, dass es alltags in den Strandbars voll ist, in den Restaurants und Cafes teils kaum ein Platz zu ergattern ist, es auf der Promenade und am Strand voll ist. Voll mit jungen Leuten, die ihr Leben genießen.

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Tel Aviv ist Strand.

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Tel Aviv ist Bauhaus.

Ich persönlich mag ja den Bauhaus Archtiekturstil sehr gerne. Da bin ich in Tel Aviv genau richtig. Hier wurden zwischen 1925 und 1955 viele Häuser in diesem schlichten, eher funktionalen und schnörkellosen, etwas eckig wirkenden Stil gebaut. Flachdach, quadratisch, praktisch, gut. Viele Architekten sind vor den Nazis aus Deutschland geflohen und habe diesen Baustil hierher mitgebracht. Um den Rothschild Boulevard und in den Nebenstraßen sieht man toll restaurierte Gebäude. Auch abgerundete Balkone und Ergänzungen in Richtung Jugenstil mit schmiedeeisernen Balkongittern findet man häufig. Der Rundgang durch das Bauhaus-Viertel war für mich ein absolutes Muss.

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Tel Aviv ist Unabhängigheit.

Hier wurde 1948 von David Ben Gurion die Unabhängigkeit und Gründung des Staates Israel verkündet. Die britische Mandatsverwaltung hatte vorher grünes Licht gegeben. Und so gibt es nun den ersten jüdischen Staat. Was viele nicht wissen: Israel ist zwar Heimat für die Juden, aber es ist ein säkularer Staat mit Religionsfreiheit für alle Religionen. Keiner wird an der Ausübung seiner Religion gehindert.
Die Independance Hall ist ein sehr schlichter und dennnoch sehr bedeutender Ort, ehemals Bürgermeister Dizengoffs Wohnhaus.

 

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Tel Aviv ist orientalisch.

Rund um die Allenby-Street, den Nachalat Binyamin und den Carmelmarkt fühlt man sich in eine orientalische Stadt versetzt. Es riecht würzig, nach orientalischen Gewürzen, es gibt Falafel und Kebap, Läden mit billigen Klamotten und Taschen sind neben Stoffgeschäften sehr dominant im Straßenbild. Ein Straßenkünstler trommelt wild und gekonnt auf Eimern, Dosen und anderen Gegenständen herum.
Ich persönlich fühle mich im schlichten Bauhausviertel wohler. Aber das ist ja Geschmackssache.

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Tel Aviv-Jaffa ist arabisch.

Jaffa ist eine 5000 Jahre alte Mittelmeerstadt mit bedeutendem Hafen. Sie ist schon von Juden, Römern, Griechen, Türken, Marmelucken und was weiß ich noch für Völkern regiert worden. Heute leben hier neben Juden vor allem Muslime. Das fällt sofort auf, wenn man sich Jaffa von der Strandpromenade her nähert. Voll verschleierte Frauen habe ich im Stadtzentrum von Tel Aviv nicht gesehen. Hier schon.
Die Altstadt wirkt weniger arabisch als herausgeputzt, gewienert für Busladungen von Touristen, die hier durch die Geschäfte geschleust werden. Ein Ort, den ich schnellstens wieder verlasse.
Es gibt in Jaffa aber auch sehr arabisch wirkende Straßen mit alten Männern, die in Cafes herumsitzen und gucken, mit Wasserpfeifen-Lokalen und kleinen Läden.

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Tel Aviv ist modern.

Die Skyline mit ihren Hochhäusern, breite Straßen, gut ausgebaute Infrastruktur. Das alles erscheint sehr europäisch oder nordamerikanisch. Frauen können sich hier unbehelligt in jeder Art von Kleidung frei bewegen. Homosexuelle Paare habe ich gesehen. Stillende Mütter saßen neben mir auf einer Parkbank. Diese Freiheit weiß man erst zu schätzen, wenn man es mal anders erlebt hat.

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Tel Aviv ist Kunstmetropole.

Wann immer es irgend geht, gehe ich in ein Kunstmuseum.
Und hier in Tel Aviv war ich im Tel Aviv Museum of Art.
Ich hatte schon viel gesehen in dieser Stadt. Und ich fand vieles bemerkenswert, schön und interessant.
Aber nun fand ich mein erstes absolutes Highlight in dieser Stadt: Diese Präsentation von Malerei, Skulptur, Installation,  Modern Art, Street Art, Design und Architektur ist einzigartig! Alles unter einem Dach.
Die Hängung von Bildern luftig, mit viel Platz, das gleiche bei der Präsentation von Skulpturen und Contemporary Art. Installationen mit Pfiff und viel Raum.
Ich bin begeistert.
Auch die Ordnung nach Sammlungen hat ihren besonderen Charme. Das kennt man bei uns nicht so. Förderer und Sammler haben große Sammlungen dem Museum zur Verfügung gestellt und diese werden als spezielle Sammlung präsentiert. Dadurch kann es vorkommen, dass man einen Künstler in mehrern Sammlungen vertreten findet. Reizvoll ist daran, dass man auch einen Blick bekommt, welche Art von Kunst ein bestimmter Sammler so bevorzugt und gekauft hat, wie seine eigene besondere Zusammenstellung war.
Und man stelle sich vor: Es war leer. Man konnte in aller Ruhe an Werke herantreten und sie auch mal länger ungestört betrachten. Sich darin verlieren.
In Paris, in Stockholm, in Hamburg und besonders in den Uffizien in Florenz sieht man teils mehr andere Menschen von hinten als das Bild.
Ich bin ein absoluter Fan des Tel Aviv Museum of Art!

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IMG_4915Dieses ist Jackson Pollock. Dancers.

 

Und das Beste kommt wie immer zum Schluss:

Wie so oft sind es vor allem die Begegnungen mit besonderen Menschen an besonderen Orten, die mich wirklich gefangennehmen.

In diesem Fall wanderte ich durch ein von anderen Touristen offenbar nicht angesteuertes Viertel, Neve Tzedek. Hier liegt die Wurzel der Stadt Tel Aviv. Hier bauten Pioniere die ersten Häuser auf weichem Dünensand. Das war 1887. Juden zogen von Jaffa aus los und gründeten ihre eigene Stadt auf Dünen. Den jüdischen Siedlern aus Jaffa folgten bald Einwanderer vor allem aus Osteuorpa und dem Jemen. So sind die Straßenzüge in Neve Tzedek sehr unterschiedlich. Es gibt kleine aneinandergereihte Häuschen mit Holzfensterläden, es gibt osmanisch anmutende Straßen, es gibt Häuser, die aussehen, wie in Paris Montmartre und es gibt Gebäude, die mich an den in Sydney vorkommenden Kolonialstil erinnern.

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Und es gibt ein Museum. Das Rokach-Haus.

Shimon Rokach war einer der Siedlerpioniere. Das Haus ist mit Original-Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert und vielen Original Dokumenten und Fotos ein echtes Highlight.
Und was für mich ganz besonders war, dass ich mich lange mit der Museumsbetreuerin unterhalten habe, denn ich war der einzige Gast. Die Touristenbusse fahren zum Glück woanders hin. So habe ich viel über die Geschichte der Familie Rokach gelernt.

Die Enkelin des Siedlerpioniers Shimon Rokach wohnt noch im zweiten Stock des Hauses. Sie heißt Leah Rokach und ist 89 Jahre alt. Sie ist Künstlerin und hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Haus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so wie es früher bei ihrem Großvater war. Sondern auch die Geschichte lebendig zu erhalten. Und sie präsentiert hier  ihre Skulpturen und Bilder. Weiterhin  habe ich einiges über das Pessach-Fest erfahren, das ja jetzt ist.

Kurzum: Es war einfach nett und entspannt, mit einer so freundlichen Tel Aviverin zu klönen.

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Dubai

Was möchte ich über Dubai bloggen?

Dubai ist eine Stadt der Superlative.

  • mega viele Autos
  • mega vielspurige Straßen/Stadtautobahnen
  • mega viele Shoppingmalls
  • mega viele Hotels von einfach bis mondän
  • mega viele Hochhäuser und Wolkenkratzer
  • mega wenig Grün
  • mega heiß
  • mega viele Menschen in den Altstadtvierteln und Souks
  • mega viel mehr Männer im Straßenbild als Frauen
  • mega künstlich, sehr wenig Altes und Gewachsenes

Da ich glaube, dass es schon genug Reiseblogs gibt, die die Highlights wie das Burj-al-Arab oder die Dubai Marina oder eine der Shoppingmalls beschreiben, möchte ich heute über Menschen in Dubai schreiben. Das Straßenbild wirkt für mich exotisch. Aber ich habe gemerkt, wie exotisch ich für einige Dubaier auch wirke:

  • es gibt Araber, die in dem  traditionellen weißen Blusenkleid mit Sandalen und weißem Kopftuch (kommen aus dem Emiraten) oder mit rot-weiß kariertem Kopftuch (kommen aus Saudi-Arabien) gekleidet sind.
  • es gibt arabische Frauen, in einem schwarzen Mantel mit schwarzem Gesichtsschleier oder nur Kopftuch gekleidet oder in der schwarzen Burka. Immer mit Kindern, zu zweit oder mit ihrem Ehemann, nie allein unterwegs.
  • es gibt sehr viele Pakistani und Inder. Die Pakistani sind oft Bauarbeiter oder Hotelangestellte oder Händler. Oft tragen sie eine helle oder graue weite Hose und eine gleichfarbige lange Bluse darüber, teils auch westliche Kleidung.
  • es gibt viele Asiaten, Männer wie Frauen, wobei die Frauen oft in Läden und Hotels arbeiten.
  • in der Metro, die supermodern ist, sieht man fast nur Pakistani, Inder und Asiatinnen, selten Araber und Araberinnen und sehr selten Touristen. Die Touristen nutzen größtenteils die Touristenbusse, die die Hotspots ansteuern. Ist zwar bequem, mir aber zu wenig Eintauchen in das „echte“ Leben.
  • es gibt Inderinnen in bunten Saris, vor allem in bestimmten, nicht touristischen Stadtvierteln.
  • es gibt Afrikaner und Afrikanerinnen, oft in bunten Klamotten.
  • in den Shoppingmalls und in Jumeirah auf der Promenade Jumairah Beach Walk  sieht man auch Europäer und Europäerinnen, die mit Shorts und kurzen Röcken herumlaufen, sowohl Touristen als auch Expatriates. Die Frauen sind meist jung und haben Kinder.
  • Ältere Menschen sieht man  insgesamt sehr wenig.

Eigentlich gilt Dubai als sicher. Was Kriminalität angeht, stimmt das wohl auch. Als alleinreisende europäische Frau habe ich mich nicht immer gut aufgehoben gefühlt. Und das liegt am Männer-Frauen-Bild in einer muslimisch geprägten Gesellschaft.

Ich hatte drei Begegnungen mit muslimischen Männern, von denen zwei der unangenehmeren Art waren. Zum einen versuchte ein pakistanischer Kellner in einem einfachen arabischen Restaurant, mich zu betatschen, als ich nach dem Essen einen Tee in einem Raum mit Bodenkissen trinken wollte. Ich hatte Mühe, ihn loszuwerden. Zum zweiten sprach mich am zweiten Tag an einem öffentlichen Strand, so kurz, bevor es begann, zu dämmern,  ein Mann an, ob ich nicht mit ihm kommen wolle, er hätte ein Auto und wolle mir The Palm Jumeirah zeigen und vielleicht die Wasserlichtspiele vor The Mall oder wir könnten in einen Club zusammen gehen. Er kam aus dem Emiraten,  war eigentlich nett, aber ich war nach dem vorigen Tag doch lieber vorsichtig und habe dankend abgelehnt und die Metro genommen. Die dritte Begegnung war im Hotelfahrstuhl mit einem Mann aus dem Jemen, der lauthals im ankommenden Fahrstuhl  sang, ich stieg zu und sagte „Good morning“. Darauf entschuldigte er sich dann wortreich bei mir, er habe am Vorabend zuviel getrunken.  Dann nahm er meine Hand und gab mir einen Handkuss. Der asiatischen Bedienung im Frühstücksraum sagte er, ich sei so liebenswürdig, sie solle mir alles geben, was ich wolle. Ich meinte, er sei crazy, die Kellnerin meinte, er sei betrunken. Die letzte Episode war einfach nur lustig,  aber die ersten beiden nicht ganz. Es scheint so, als ob man als europäische alleinreisende Frau  (,wie drückte sich meine australische Vermieterin heute so schön aus,) „available“ wäre.

Meine drei persönlichen Highlights in Dubai:

  • Fahrten mit dem traditionellen kleinen Holzboot, genannt Abra, über den Creek. Man kann das geschäftige Treiben auf dem Creek mit Abras, Dhaus (Handelsschiffe aus Holz auf dem Weg nach Indien, Pakistan, Iran, voll beladen) und Wassertaxis beobachten. Es weht ein leichter Wind in der sonst heißen Luft. Man hat wunderbare Ausblicke auf Bur Dubai, Bastakiya und Deira. Und das für umgerechnet 0,25 Euro pro Fahrt.
  • Das Sheikh Saeed Al Maktoum House in Shingdagha. Es ist der Wüstenpalast des Scheichs Saeed al Maktoum, der als Erbauer und Visionär des heutigen Dubai gilt, das er ab 1958 begann, zu bauen. Viele historische Dokumente über das Leben in der Wüste. Toll restaurierter Wüstenpalast.
  • Das Heritage House mit der Alserkal Cultural Foundation, einer Galerie, die junge arabische Künstler fördert und interessante Künstler in einer schönen Umgebung ausstellt.

Nun noch ein paar Bilder:

Abra auf dem Creek
Abra auf dem Creek
Araber mit seiner Frau beim Einkauf im Gold Souk
Araber mit seiner Frau beim Einkauf im Gold Souk
Fröhliche Afrikanerinnen in Deira
Fröhliche Afrikanerinnen in Deira
Pakistanische Bauarbeiter
Pakistanische Bauarbeiter
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Sheikh Saeed al Maktoum House
Menschen an enem öffentlichen Strand, im Hintergrund Burj-al-Arab
Menschen an enem öffentlichen Strand, im Hintergrund Burj-al-Arab
junge arabische Kunst
junge arabische Kunst
Noch mehr junge arabische Kunst. Schattenbild.
Noch mehr junge arabische Kunst. Schattenbild.

Paris 31.07.2012

Da bin ich wieder. Ein Jahr nach meinem ersten Parisbesuch bin ich wieder da, ich freue mich so sehr. Da ich die Hotspots ja bereits gesehen habe, kann ich mir noch mehr Zeit für versteckte Schönheiten dieser faszinierenden Stadt nehmen. Ich bin gesundheitlich gerade ganz fit und so geht es los zu neuen Abenteuern. Im Restaurant alleine essen gehen gehört nicht mehr dazu, denn das mache ich mittlerweile ganz selbstverständlich und ohne komisches Gefühl.
Meine persönlichen Highlights auf dieser Reise:

  1. Bastille Viertel mit viel normalem Leben ohne viele Touristen und mit der wunderschönen langen Promenade Plantee, einem Viadukt, auf dem man kilometerweit entlanggehen kann. Bänke laden zum Pausieren ein, überall blüht etwas, in einige Wohnungen kann man, neugierig wie der Mensch nun einmal ist, hineingucken. Super.
  2. Musée d’Orsay. Museum in einem alten Jugendstilbahnhof, sehr stilvoll, Impressionisten und Expressionisten vom Feinsten.
  3. Canal de St. Martin in Belleville. Alternatives, szeniges, trendiges Viertel. Am Sonntag viele Pariser, gemischt mit ein paar Touristen wie mir. Ich fotographiere kaum, um nicht als Touristin aufzufallen.
  4. Centre Georges Pompidou. Wirklich riesengroßes Museum für zeitgenössische Kunst. Lieblingsbild: Le Bal Bullier von Sonia Delauny, Lieblingsinstallation: Hände. In diesem Museum besteht die Kunst nicht nur darin, sich nicht zu verlaufen oder mit den Rolltreppen zu verfahren, sondern vor allem darin, persönlich auszuwählen.

Paris, ich liebe deine Kunst, deine Architektur, deine schattigen Plätze und das viele Stadtgrün – und das französische Essen!

Promenade Plantèe im Bastilleviertel
Promenade Plantée im Bastilleviertel
Im Musée d'Orsay
Im Musée d’Orsay