Kann es irgendwo schöner sein?

„Diese prickelnde Luft, dieser Wind, der einem ständig in den Ohren pfeift, der schneeweiße Strand, diese ganze Pracht ohnegleichen. Kann es irgendwo schöner sein?“

– Clara Tiedemann, Schriftstellerin, Schauspielerin. Sie führte von 1925 bis 1956 das Gästehaus Kliffende in Kampen, das Treffpunkt zahlreicher Künstler, Politiker und Intellektueller auf Sylt wurde.-

 

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Kann es einen schöneren Ort für einen 27. Oktober geben als Sylt?

Heckenrosen, die zugleich leuchtend rote Hagebutten tragen und letzte pinkfarbene Blüten und deren Blätter von rostrot über orange und gelb bis hellgrün gefärbt sind. Ein Farbspiel in der Sonne, das jeder impressionistische Maler sofort auf Leinwand festhalten würde.
Daneben Dünengras, das sich sanft im Wind bewegt und an dem man sich die Finger schneidet, wenn man es mal wieder nicht lassen kann, es anzufühlen.
Unendlich scheinende Heidelandschaft. Es riecht würzig, der typische Heideduft.
Weiter blauer Himmel.
Tiefblaues Meer, weiße Brandung. Rauschen. Zischen, Gurgeln.
Heller Sand – fühlt sich übrigens weich und samtig an- und roter Lehm.
Wind, der einem nicht nur „in den Ohren pfeift“, sondern einem die Haare zerzaust und Gedanken wegpustet.
Kaum ein Mensch am Strand trotz Mittagszeit. Fühlt sich übrigens entspannt an.

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Über ein Jahr lang versuche ich schon, mich in Achtsamkeit zu üben. Da zu sein, wo ich gerade bin, das wahrzunehmen, was gerade ist. Mit meiner Aufmerksamkeit eine Zeit bei etwas zu bleiben, das ist, konzentriert, fokussiert.
Oh, wie ist das manchmal schwer!
Nun jedoch auf Sylt: Das Meer rauscht, es zischt, immer wieder kommen neue Wellen, es ist abwechselnd blau, grau, grüngrau, grün wie Jade und weiß in der Brandung, es riecht nach Salz, manchmal fischig und nach Tang – und ihm gelingt, was mir sonst oft schwer fällt; es fesselt meine Aufmerksamkeit. Einfach so.

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Liebeserklärung an eine großartige Insel und einen großartigen 27. Oktober 2016.

 

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49 ist gleich sieben mal sieben

49 ist gleich sieben mal sieben und 50 ist gleich zwei mal fünf mal fünf oder auch zwei mal fünfundzwanzig.
Und eigentlich ist es ja auch egal, ob man nun 49 oder 50 ist. Sind eh alles nur Zahlen.
Wirklich wichtig ist, dass man gesund ist (oder sich mit dem, was ist, arrangiert hat).
Und wirklich wichtig ist, dass man liebe Menschen um sich herum hat.
Und dass man an dem Ort ist, wo man sich wohlfühlt.
Genau deshalb bin ich mit meiner Familie nach Sylt gefahren während aus sieben mal sieben dann zwei mal fünf mal fünf wird.
Die Sonne scheint, das Meer rauscht, das Rote Kliff leuchtet orange in der Spätnachmittagssonne, Möwen schreien, der Sand ist weich, der Sand ist fest, Friesenhäuser überdauern hier schon Jahrhunderte…
Ein Jahr mehr oder weniger fällt nicht ins Gewicht.

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Sylt. Biikebrennen

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Warum fährt man ausgerechnet im Februar nach Sylt?

Weil am 21.Februar Biikebrennen ist!

Biikebrennen ist ein sehr alter friesischer Brauch. Biike heißt auf Sylter Friesisch „Das Feuerzeichen“. Die Friesen feierten schon zu heidnischer Zeit vor 2000 Jahren ihre Natur- und Heimatverbundenheit jedes Jahr am 21. Februar mit großen Feuern.
Später wurden mit den Feuern am Strand und in den Dünen die Seefahrer und Walfänger verabschiedet.
Heute stehen die Feuer für Abschied vom Winter und Neubeginn im Frühling.

In diesem Jahr musste ich einfach zum Biikebrennen fahren, auch wenn es im Februar auf Sylt grau, nass, windig und rausig sein kann.

Kann sein, kann aber auch sonnig sein:

Oben: graue Westerländer Promenade, der Weg ist das Ziel in der Braderuper Heide
Unten. strahlender Sonnenschein am Ellenbogen

Und hier: Wenningstedt und Kampen

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Am Strand von Wenningstedt
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Das Rote Kliff zwischen Wenningstedt und Kampen

 

Ich musste einfach an einem großen Biikefeuer stehen und Abschied feiern von einer Lebensphase und den Beginn einer neuen Phase willkommen heißen. Seit meinem Walkabout mit einem Aborigine in den Bergen der Blue Mountains in der Nähe von Sydney  lassen mich einige der Überzeugungen der Ureinwohner Australiens nicht mehr los. Sie feiern es, wenn sie sich weiterentwickeln, wenn sie besser und weiser werden. Sie feiern keine Geburtstage, sie feiern nicht das Älterwerden, sondern das Weiserwerden. Das gefällt mir richtig gut.

Und deshalb war mir Bikebrennen dieses Jahr so wichtig: Ich begrüße eine neue Lebensphase mit einer großen Feier mit vielen Menschen. Wie bei den Aborigines. Aber in meiner Heimat in Norddeutschland.
Ich begrüße die Zuversicht und den Mut. Ich freue mich über eine anregende berufliche Fortbildung.
Ich verabschiede meinen jahrelangen treuen Begleiter, den Selbstzweifel. Ich werfe ihn in hohem Bogen ins Biikefeuer in Westerland am Südwäldchen.

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Biikefeuer: Knistern, Knacken, orangene Glut und helle Flammen. Wärme im Gesicht, kühler Sprühregen von hinten….
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Und hinterher das traditionelle Grünkohlessen…

Sylt 15.05.2015

Sylt, da bin ich wieder!
Momentan beschäftigt mich, nachdem ich meinen Job gekündigt habe, die Frage, wie soll es weitergehen mit meinem beruflichen Leben nach der Kindererziehungszeit? Ich habe das – gesellschaftlich leider überhaupt nicht mehr anerkannte – Hausfrauen-Kindererziehungs- Modell gelebt. Nebenbei etwas Teilzeitarbeit. Ich sage inzwischen selbstbewusst: Ich mag das Modell und für meine Familie ist es richtig. Aber was kommt nachher? Will ich überhaupt in meinem studierten und erlernten Beruf weiterarbeiten? Ich weiß nicht, was ich wollen soll! Nachdenken, In-Mich-Hineinhorchen auf Sylt.
Das Meer, mein großer Seelentröster und meine Heimat. Manchmal muss man eben einfach nur ans Meer fahren.

Was will ich mehr?
Was will ich mehr?

Sylt 2.5.2014

Es wird so langsam eine schöne neue Gewohnheit, einmal im Jahr allein nach Sylt zu reisen. Ich wohne wieder in einem kleinen inhabergeführten Hotel in Wenningstedt, das mich mit seinem besonderen Charme immer noch an das Sylt aus Kindertagen erinnert.
Es ist Mai, wunderschönes Wetter und ich gehe viel am Strand spazieren. Das Rauschen des Meeres vertreibt alle anderen Gedanken. Was mir sonst schwer gelingt, nämlich abschalten, Gedanken und Grübeleien unterbrechen, das fällt mir mit Meeresrauschen leichter. Ich konzentriere mich tatsächlich mal eine oder zwei Stunden nur auf das Rauschen, das Gluckern, das Zischen der Wellen. Und wenn es gerade passt, mache ich die Augen zu, dann ist es noch intensiver.

Außerdem freue ich mich dieses Mal über einen ruhigen Keitumbummel. Da ich allein bin, kann ich in jede Galerie gehen, die mich anspricht, in jede Schmuckwerkstatt schauen und in der  Teestube sitzen nach Herzens Lust.

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Keitum

Sylt 6.10.2013

Wie wunderbar diese Insel ist!
Sylt wird in der Presse oft als Schicki-Micki-Ort oder als überlaufene und überteuerte Promi-Insel dargestellt, dabei kann man viele Plätze finden, wo kaum andere Menschen sind.
In der Braderuper Heide zum Beispiel. Heideduft, das stille Wattenmeer und ruhige Wanderwege. Runterkommen, abschalten, genießen.

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Braderuper Heide

Im Naturschutzgebiet Ellenbogen zum Beispiel. Schafe, Wiesen, Dünen, Heide und die große, irgendwie erhaben wirkende, Wanderdüne, ein paar Fahrradfahrer und Wanderer, sonst nichts. Herrlich.

Selbst am Strand zwischen Wenningstedt und Kampen am roten Kliff sind morgens um halb zehn  nur eine Handvoll Menschen unterwegs. Dann tanke ich auf.
Kein Promi-Restaurant, aber kreative, enorm leckere und solide Küche gibt es in meinem Lieblingsrestaurant in Westerland Ingo Willms.
Liebe geht eben auch durch den Magen.

Sylt 30.4.2012

Spontan entscheide ich mich zu einem kurzen Syltbesuch. Ich habe irgendwie das Gefühl, mal raus zu müssen, alles liegt zu Hause auf meinen Schultern, überfordert mich momentan irgendwie. Hinzu kommt eine ziemlich akute Zerrung in der Leiste. Was will mir mein Körper sagen? – Komm‘ zur Ruhe, schalte runter – Vielleicht.
Ich gehe in Wenningstedt 2- Wenningstedt die Holztreppe hinauf auf die großen Dünen und sehe das Meer!
Dann gehe ich zum Meer runter, es rauscht,  kleine Wellen rollen an den Strand, branden, die Sonne scheint und lässt das Rote Kliff orange leuchten, Möwen kreischen, der Sand ist weich und fest zugleich…ein perfekter Tag.
Und da ist es wieder, dieses Heimat-Gefühl, das ich am Meer auf Sylt immer habe. Ich fühle mich geborgen und habe nach ein paar Tagen wieder neue Energie. So, als ob das Meer zu mir sagen wollte: „Fühle meine Ruhe, meine Kraft, meine Weite – und nimm etwas davon zu dir“.