Israel. Old Jaffa Port. Schnappschüsse

Old Jaffa Port. Hafen und Hafenpromenade in Jaffa.

Hier mixt sich alles.
Hier ist richtig was los.
Sehen und gesehen werden.
Da macht die Foto-Schnappschuss-Jagd viel Spaß.

Spaziergänger mit Kind, Kegel und Großfamilie treffen auf entspannt picknickendes Paar.
Touristin mit Rucksack, Cap und Handy am Ohr trifft auf religiös gekleidetes jüdisches Paar, ein paar Schritte entfernt sitzt ein muslimisches Paar mit schwarz verschleierter Frau.

Ein paar Fischer mit ihren Booten und Netzen gibt es auch noch. Sie verkaufen sogar noch frischen Fisch direkt nach dem Fang.
Ansonsten macht die Gentrifizierung auch vor diesem Fleck auf der Erde nicht halt und die Society feiert sich bei Sekt und Austern inklusive Flirt mit dem attraktiven Barmann. Oder Flirt der schönen Lady mit dem nicht minder schönen Begleiter 😉

IMG_5079 Muslim. Paar, gläubiger Jude mit Kippa, säkulare Juden warten auf Schiff

Oben ist mein Lieblings-Schnappschuss, weil er so schön zeigt, wie es im Alltag gut funktioniert: Muslimisches Paar wartet einträchtig gemeinsam mit kippatragendem gläubigem Juden und hebräisch sprechendem neutral gekleidetem Paar, Jung gemeinsam mit Älter, auf ein herankommendes Ausflugsboot. Klappt prima. Ohne durchgeknallte Fundamentalisten auf beiden Seiten geht alles.

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Noch ein schönes Miteinander-Bild ist dieses. Arabische Verkäufer von frisch gepresstem Orangensaft neben sportlichen Segway-Fahrern und einer gläubigen jüdischen Familie auf der Promenade.

Und das Folgende ist auch schön:
IMG_5041 Militär und Polizei auf Segways

Eine Soldatin macht ein Erinnerungsfoto von ihren Kameraden auf der Promenade zwischen Jaffa und Tel Aviv City – und die Polizei ist nicht beritten, sondern be-segwayt.

Und zum Schluss zwei Fotos von Lebensfreude pur, wie man sie überall in Tel Aviv-Jaffa spürt:

In sich versunkenes Hoola-Hoop und buntes Kugeln  im Park an der Promenade.

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Israel. Tel Aviv. Jubel!

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Gestern, 24.4.16.

Contemporary Dance mit der Batsheva Dance Company, The Young Dancers.

Warehouse 2, Jaffa Port.

Coole Location, supercooler, kreativer Tanz, witizig, frech, anders.

Und dann der Moment:
Ein Tänzer der Batsheva Dance Company holt mich aus dem Publikum auf die Bühne, ebenso fordern andere Tänzer circa zehn andere Zuschauer auf, mitzukommen.
Und so tanze ich intuitiv, inspiriert durch die anderen Tänzer, aufgefordert durch Gesten, Blicke, leichte Berührungen „meines Tänzers“. Das ist das Größte für mich. Ich bin so ein riesengroßer Fan von Ballett, von zeitgenössischem Tanz, des Hamburg Ballett unter John Neumeier, das weltweit seines gleichen sucht… und dann das!

Ich tanze, tanze einfach auf einer Bühne in einem Warehouse in Jaffa, mit einem asiatischen Tänzer, zu israelischer Musik. Jubel!

 

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Im Vorraum. Charme des alten Lagerhauses.

Israel. Tel Aviv.

Tel Aviv ist Tel Aviv. Es passt in keine Schublade.

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Tel Aviv ist jung und gechillt.

Überall sieht man junge Leute, viele Paare mit kleinen Kindern, mehreren kleinen Kindern. In Deutschland überwiegen da doch die jungen Ein-Kind-Familien.
Ich bin kurz vor und am Pessach-Fest hier. Das Pessach-Fest feiert den Auszug der Israeliten aus Ägypten ca. 1300 v. Chr. und hat in etwa die Bedeutung für jüdische Gläubige wie Weihnachten für die Chritsten. Da haben sicherlich auch einige frei. Sonst kann es gar nicht sein, dass es alltags in den Strandbars voll ist, in den Restaurants und Cafes teils kaum ein Platz zu ergattern ist, es auf der Promenade und am Strand voll ist. Voll mit jungen Leuten, die ihr Leben genießen.

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Tel Aviv ist Strand.

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Tel Aviv ist Bauhaus.

Ich persönlich mag ja den Bauhaus Archtiekturstil sehr gerne. Da bin ich in Tel Aviv genau richtig. Hier wurden zwischen 1925 und 1955 viele Häuser in diesem schlichten, eher funktionalen und schnörkellosen, etwas eckig wirkenden Stil gebaut. Flachdach, quadratisch, praktisch, gut. Viele Architekten sind vor den Nazis aus Deutschland geflohen und habe diesen Baustil hierher mitgebracht. Um den Rothschild Boulevard und in den Nebenstraßen sieht man toll restaurierte Gebäude. Auch abgerundete Balkone und Ergänzungen in Richtung Jugenstil mit schmiedeeisernen Balkongittern findet man häufig. Der Rundgang durch das Bauhaus-Viertel war für mich ein absolutes Muss.

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Tel Aviv ist Unabhängigheit.

Hier wurde 1948 von David Ben Gurion die Unabhängigkeit und Gründung des Staates Israel verkündet. Die britische Mandatsverwaltung hatte vorher grünes Licht gegeben. Und so gibt es nun den ersten jüdischen Staat. Was viele nicht wissen: Israel ist zwar Heimat für die Juden, aber es ist ein säkularer Staat mit Religionsfreiheit für alle Religionen. Keiner wird an der Ausübung seiner Religion gehindert.
Die Independance Hall ist ein sehr schlichter und dennnoch sehr bedeutender Ort, ehemals Bürgermeister Dizengoffs Wohnhaus.

 

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Tel Aviv ist orientalisch.

Rund um die Allenby-Street, den Nachalat Binyamin und den Carmelmarkt fühlt man sich in eine orientalische Stadt versetzt. Es riecht würzig, nach orientalischen Gewürzen, es gibt Falafel und Kebap, Läden mit billigen Klamotten und Taschen sind neben Stoffgeschäften sehr dominant im Straßenbild. Ein Straßenkünstler trommelt wild und gekonnt auf Eimern, Dosen und anderen Gegenständen herum.
Ich persönlich fühle mich im schlichten Bauhausviertel wohler. Aber das ist ja Geschmackssache.

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Tel Aviv-Jaffa ist arabisch.

Jaffa ist eine 5000 Jahre alte Mittelmeerstadt mit bedeutendem Hafen. Sie ist schon von Juden, Römern, Griechen, Türken, Marmelucken und was weiß ich noch für Völkern regiert worden. Heute leben hier neben Juden vor allem Muslime. Das fällt sofort auf, wenn man sich Jaffa von der Strandpromenade her nähert. Voll verschleierte Frauen habe ich im Stadtzentrum von Tel Aviv nicht gesehen. Hier schon.
Die Altstadt wirkt weniger arabisch als herausgeputzt, gewienert für Busladungen von Touristen, die hier durch die Geschäfte geschleust werden. Ein Ort, den ich schnellstens wieder verlasse.
Es gibt in Jaffa aber auch sehr arabisch wirkende Straßen mit alten Männern, die in Cafes herumsitzen und gucken, mit Wasserpfeifen-Lokalen und kleinen Läden.

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Tel Aviv ist modern.

Die Skyline mit ihren Hochhäusern, breite Straßen, gut ausgebaute Infrastruktur. Das alles erscheint sehr europäisch oder nordamerikanisch. Frauen können sich hier unbehelligt in jeder Art von Kleidung frei bewegen. Homosexuelle Paare habe ich gesehen. Stillende Mütter saßen neben mir auf einer Parkbank. Diese Freiheit weiß man erst zu schätzen, wenn man es mal anders erlebt hat.

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Tel Aviv ist Kunstmetropole.

Wann immer es irgend geht, gehe ich in ein Kunstmuseum.
Und hier in Tel Aviv war ich im Tel Aviv Museum of Art.
Ich hatte schon viel gesehen in dieser Stadt. Und ich fand vieles bemerkenswert, schön und interessant.
Aber nun fand ich mein erstes absolutes Highlight in dieser Stadt: Diese Präsentation von Malerei, Skulptur, Installation,  Modern Art, Street Art, Design und Architektur ist einzigartig! Alles unter einem Dach.
Die Hängung von Bildern luftig, mit viel Platz, das gleiche bei der Präsentation von Skulpturen und Contemporary Art. Installationen mit Pfiff und viel Raum.
Ich bin begeistert.
Auch die Ordnung nach Sammlungen hat ihren besonderen Charme. Das kennt man bei uns nicht so. Förderer und Sammler haben große Sammlungen dem Museum zur Verfügung gestellt und diese werden als spezielle Sammlung präsentiert. Dadurch kann es vorkommen, dass man einen Künstler in mehrern Sammlungen vertreten findet. Reizvoll ist daran, dass man auch einen Blick bekommt, welche Art von Kunst ein bestimmter Sammler so bevorzugt und gekauft hat, wie seine eigene besondere Zusammenstellung war.
Und man stelle sich vor: Es war leer. Man konnte in aller Ruhe an Werke herantreten und sie auch mal länger ungestört betrachten. Sich darin verlieren.
In Paris, in Stockholm, in Hamburg und besonders in den Uffizien in Florenz sieht man teils mehr andere Menschen von hinten als das Bild.
Ich bin ein absoluter Fan des Tel Aviv Museum of Art!

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IMG_4915Dieses ist Jackson Pollock. Dancers.

 

Und das Beste kommt wie immer zum Schluss:

Wie so oft sind es vor allem die Begegnungen mit besonderen Menschen an besonderen Orten, die mich wirklich gefangennehmen.

In diesem Fall wanderte ich durch ein von anderen Touristen offenbar nicht angesteuertes Viertel, Neve Tzedek. Hier liegt die Wurzel der Stadt Tel Aviv. Hier bauten Pioniere die ersten Häuser auf weichem Dünensand. Das war 1887. Juden zogen von Jaffa aus los und gründeten ihre eigene Stadt auf Dünen. Den jüdischen Siedlern aus Jaffa folgten bald Einwanderer vor allem aus Osteuorpa und dem Jemen. So sind die Straßenzüge in Neve Tzedek sehr unterschiedlich. Es gibt kleine aneinandergereihte Häuschen mit Holzfensterläden, es gibt osmanisch anmutende Straßen, es gibt Häuser, die aussehen, wie in Paris Montmartre und es gibt Gebäude, die mich an den in Sydney vorkommenden Kolonialstil erinnern.

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Und es gibt ein Museum. Das Rokach-Haus.

Shimon Rokach war einer der Siedlerpioniere. Das Haus ist mit Original-Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert und vielen Original Dokumenten und Fotos ein echtes Highlight.
Und was für mich ganz besonders war, dass ich mich lange mit der Museumsbetreuerin unterhalten habe, denn ich war der einzige Gast. Die Touristenbusse fahren zum Glück woanders hin. So habe ich viel über die Geschichte der Familie Rokach gelernt.

Die Enkelin des Siedlerpioniers Shimon Rokach wohnt noch im zweiten Stock des Hauses. Sie heißt Leah Rokach und ist 89 Jahre alt. Sie ist Künstlerin und hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Haus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so wie es früher bei ihrem Großvater war. Sondern auch die Geschichte lebendig zu erhalten. Und sie präsentiert hier  ihre Skulpturen und Bilder. Weiterhin  habe ich einiges über das Pessach-Fest erfahren, das ja jetzt ist.

Kurzum: Es war einfach nett und entspannt, mit einer so freundlichen Tel Aviverin zu klönen.

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Israel. Mein Kulturschock

Ich habe Ein Gedi verlassen.
Ich bin durch die Wüste gefahren, dann an Jerusalem vorbei. Ich habe es dort liegen sehen ganz in hellem Kalksandstein gebaut. Isaac hat mir erzählt, dass jedes Haus in Jerusalem, auch neu gebaute, in diesem Jerusalemer Kalksandstein in beige gebaut bzw. die Fassade verkleidet sein muss. Ich mag Jerusalem sehr.
An dieser Stelle ein kleiner Bericht meines dritten Jerusalem Besuchs.

Ich habe nämlich zwei absolute Highlights entdeckt, abseits der Touristentouren:

Erstes Highlight:
Ein Besuch in der Knesset mit Führung.
Eine Führung ist für Individualreisende ohne Anmeldung möglich. Zum Glück. Ich bin Individualreisende. Ich hatte keine Führung reserviert.

Interessante Informationen über das politisch-gesellschaftliche System in Israel: Was man der internationalen Presse beispielsweise gar nicht entnehmen kann, ist, dass die Knesset, also das Parlament konfessionell ganz ähnlich zusammengesetzt ist wie die Bevölkerung. Circa 70% sind Juden, circa 17% Muslime, der Rest Christen und Drusen.

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In der Knesset gibt es einen Chagall-Saal. Der russisch-französische Maler Chagall, der Jude war, hat 1960 für die Knesset drei Wandteppiche und ein Wandmosaik sowie mehrere Bodenmosaike gestaltet. Ich mag Chagall. Er träumt in seinen Bildern vom Gestern, vom Heute und vom Morgen. Von diesem Staat, dieser ersten staatlichen Heimat für Juden. Muss man mit seinen Augen gesehen haben.

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König David mit der Harfe in rot tanzt und freut sich mit dem jüdischen Volk über die Gründung des Staates Israel, träumt aber davon, auch an der Klagemauer beten zu können. Das konnte man 1960, als der Wandteppich geschaffen wurde, nicht.

 

Zweites Highlight:
Ein Spaziergang durch den Sacher-Park.
In einer fremden Stadt einen öffentlichen Park zu besuchen, finde ich immer toll.
Man kann irgendwo sitzen und Leute beobachten.
Was macht ein Jerusalemer in einem Stadtpark?
Musik. Picknick. Mit Kindern spielen. Football. Soccer. Frisbee spielen

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Soweit das religiöse, irgendwie gediegene Jerusalem.

Dann fährt man durch Hügelketten, es wird grüner, bewaldeter, große grüne Felder.

Und nun kommt er, mein Kulturschock:

Tel Aviv!

Hochhäuser. Viele Autos. Hupen. Viele Busse. Hupen. Menschen. In Shorts, in kurzen Röcken, sogar bauchfrei. Gewusel. Gedränge. Lautstärke. Kaum noch religiös züchtig bis altmodisch gekleidete Menschen, wie in Jerusalem.
„Hey“, ruft es in mir „ich komme aus der stillen Wüste mit Stippvisiten im erhabenen Jerusalem.“  und weiter „was nun?“

Und was habe ich gemacht?

Ich bin erstmal ans Meer gegangen.

In Tel Aviv gibt es viele Strände. Dort war es auch voll. Aber auf der einen Seite war der quirlige Strand, auf der anderen Seite war das Meer, Rauschen, Wellen, Weite, ein kühler Wind. – Ich bin angekommen in Tel Aviv. Das Meer hat mir noch immer geholfen.

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Dann habe ich noch was Schönes gegessen. Und schon freue ich mich auf weitere Erlebnisse.

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Israel. Menschen.

Dieser Blogbeitrag handelt von Menschen. Menschen, denen ich begegnet bin und die mich irgendwie berührt haben oder mit denen ich viel Spaß hatte.

Von Isaac, der mir einfach spontan sein Jerusalem gezeigt hat, habe ich ja schon berichtet.
Ein außergewöhnlicher, netter, offener und spontaner Mensch.

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Isaac im Mahane Yehuda Markt.

 

Ich wohne in einem Hotel, das von einem Kibbuz, dem Kibbuz Ein Gedi, geführt wird.
Vorgestern nachmittag lud mich eine Kibbuzbewohnerin, Miriam, einfach mal so zum Tee in ihr Haus ein. Miriam wohnt seit 56 Jahren hier im Kibbuz. Und sie ist damit eine der ersten Bewohnerinnen, denn das Kibbuz feiert dieses Jahr seinen 60jährigen Geburtstag.
Der Nachmittag mit Miriam war sehr interessant. Die ersten Kibbuzbewohner haben das Land erschlossen, die Quellen David und Arugot genutzt, um Gemüse und Obst anzubauen und einen wunderschönen botanischen Garten zu errichten.
Und Miriam selbst ist hier verwurzelt, Jüdin, und zudem sehr weltoffen. Sie war schon in vielen Ländern der Erde. Während mein Reiseschwerpunkt eindeutig auf europäischen Ländern liegt, hat Miriam sehr viele afrikanische Länder besucht. Was bei uns beiden an der jeweiligen geographischen Lage liegt. Haben wir mal zusammen festgestellt.

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Miriam in ihrem Garten. Im Hintergrund ein typisches Kibbuz Ein Gedi-Haus.

 

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Miriam und ich tranken erfrischenden Lemongras-Tee und sie hatte extra Kekse selbstgebacken. Ich bin erfreut und gerührt über so viel Gastfreundschaft und lade sie ein, mal zu mir zu Besuch zu kommen, falls sie in Hamburg ist.

 

Mehrere auf ihre Weise besondere Menschen lernte ich kenen, als ich an einer geführten Tour durch den nahegelegenen Nahal David teilnahm.
Unser Tourguide war nämlich wie Miriam ein langjähriger Kibbuzbewohner, der sich bestens mit der Flora und Fauna der Davidquelle auskennt.

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Unser Tourguide erklärt uns gerade, dass in den Höhlen früher Gräber waren. Undzwar immer so, dass die Beine Richtung Jerusalemer Tempel zeigten, damit man eines fernen Tages schnell aufstehen und dorthin gehen kann.

Links ein Steinbock-Weibchen, rechts ein Klippschliefer beim Essen.

Links der Davidwasserfall mitten in der Judäischen Wüste, rechts Wasser, das von Felsen tropft, klar und rein.

Die Gruppe auf dieser Wanderung war klasse: Zwei ältere Damen aus Tel Aviv, ein sehr kontaktfreudiges und offenes Ehepaar aus den USA, State of New York. Die beiden tauschen gerade ihr Haus in Amerika zwei Monate gegen eine Wohnung in Tel Aviv und waren für zwei Nächte ins Kibbuz Hotel nach Ein Gedi gefahren, um auch das Tote Meer kennenzulernen. Am besten unterhalten habe ich mich mit Galina. Galina kommt ursprünglich aus Moskau, ist 2000 nach Boston ausgewandert und besuchte gerade ihre Schwester in Israel, die 1992 hierher ausgewandert ist. Galina und ich waren gleich ein Herz und eine Seele. Manchmal hat man das ja mit vorher völlig fremden Menschen. Wir empfanden zum Beispiel beide eine tiefe Dankbarkeit, das Wunderbare der Quellen in der Wüste, die erhabene Wüste, das entspannende Tote Meer, hier und jetzt erleben zu dürfen.

Galina links, Jane und ich genießen die Davidquelle.

Gestern musste ich an Isaacs Spruch denken: „God loves me…“ , denn Gott, der Himmel, das Universum oder das Schicksal (?) schickte mir erst eine Wandergruppe aus Deutschland auf einer sehr einsamen Wüstenwanderung, der ich mich anschließen durfte.  Und dann auf dem Rückweg traf ich auf einen in Jerusalem lebenden Amerikaner mit zwei Freundinnen aus Seattle auf Besuch und einem Auto, in dem sie mir noch einen Platz anboten. So kam ich gut durch die Wüste Samarias von Wadi Kelt zur Bushaltestelle des Überlandbusses an der Route 1 nach Ein Gedi.

Links unser Ziel: Das Georgskloster im Wadi Kelt in der Wüste Samarias und rechts zwei Frauen der deutschen Wandergruppe, der ich mich anschloss. “ Only Germans walk“, sagten meine amerikanischen Bekannten, die mir den Auto-Lift auf dem Rückweg anboten.

Und nun zum Abschluss noch Bilder von religiösen Menschen, die ich in Jerusalem gemacht habe. Ja, in Jerusalem ist Religion allgegenwärtig, nicht nur in der Altstadt.

Gläubige Juden und unten rechts eine ultra-orthodoxe jüdische Familie

Links orthodoxe Christen und rechts Christen, die in der Grabeskirche den Stein von Golgatha berühren wollen.

Links Musliminnen im arabischen Soukh von Jerusalem und rechts ein Gewürzladen dort.

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Und hier die Ziegenherde eines Beduinen in der Wüste. Beduinen leben immer noch in der Wüste Judäas und Samarias, haben heute aber wegen eines Sesshaft-Machen-Programms teilweise so Wellblechhütten, wie auf dem Foto unten in der Bildmitte klein erkennbar.

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Ich bin jeden Tag wieder überwältigt. Denn ich finde, Israel ist ein sehr vielschichtiges und unglaublich spannendes Land, landschaftlich, kulturell, religiös und menschlich.

Israel. Jerusalem

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Blick auf den Tempelberg mit dem Felsendom und auf die Klagemauer.

Ich war an  zwei Tagen auf Ausflug in Jerusalem.
Die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das erste Mal habe ich eine Tour mit einem Anbieter gebucht, der hier vor Ort in Ein Gedi per Flyer für Kleingruppentouren mit einem Mercedes Sprinter wirbt.
Ich dachte, eine Gruppentour ist sicherer und ganz komfortabel, weil einem Erläuterungen geliefert werden. Und weil wir außer in Jerusalem auch in Bethlehem waren. Bethlehem ist unter Verwaltung der palästinensischen Autonomiebehörde, da kommt man sonst so leicht nicht hin.

Kurz zusammengefasst:

Das Gute an dieser Tour:
Ich habe den Ölberg gesehen, Jerusalem vom Skopusberg aus im Überblick gehabt, bin im Garten Gethsemane gewandert, in dem Jesus wanderte und ausgeliefert, man kann auch sagen verraten, wurde von Judas. Ich habe an der Klagemauer gestanden und Jüdinnen beten und singen gesehen und gehört. Ich habe den arabischen Souk besucht, habe in der

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Grabeskirche den Stein berührt, auf den Jesus nach seiner Kreuzigung gelegt wurde. Ich habe den Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqusa-Moschee gesehen, bin durch das jüdische Viertel geführt worden. Ich habe die alte Stadtmauer aus Zeit König Davids (1000 v. Chr.) bewundert, wie sie weit unter heutigem Straßenniveau freigelegt wurde.

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Stein, auf den Jesus nach der Kreuzigung zum Salben gelegt wurde.
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Stadtmauer der von König David ca. 1000 v. Chr. gegründeten Stadt Jerusalem.

Außerdem waren wir in Behtlehem in Jesus Geburtskirche und konnten seinen Geburtsplatz sehen.

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Geburtsplatz Jesu in der Geburtskirche in Bethlehem.

Das nicht so Gute an dieser Tour:
Zu viele touristische Hotspots in kurzer Zeit. Eine Gruppe aus mir plus elf Österreichern aus einem anderen Hotel. Der eine will im Souk Gewürze kaufen, der andere ein T-Shirt vom Hardrock Cafe Jerusalem, das es aber  in Jerusalem gar nicht mehr gibt (!), die nächste will Granatapfelsaft frisch gepresst probieren, der nächste braucht eine neue Speicherkarte für seinen Fotoapparat…Die Gruppe ist unfassbar anstrengend. Das zieht Energie. Der Guide ist Araber, lebt in Israel  und hat teilweise eine etwas spezielle Sicht auf die Dinge.
Fazit für mich: Sehr dichtes erstes Kennenlernen dieser faszinierenden Stadt, Heilige Stadt für Christen verschiedener Richtungen, für Juden und für Moslems.
Ich komme mir unter den ganzen Gläubigen und Betenden ein bisschen vor wie im Theater oder im Ballett. Wie ein Zuschauer, interessiert, bewundernd, aber außen vor.

Diese Stadt hat mich nicht mehr losgelassen.
Und so habe ich entschieden, noch einmal allein mit dem Linienbus über Land ein einhalb Stunden von Ein Gedi aus hinzufahren.
Ich wollte Jerusalem, auch die Neustadt Westjerusalem außerhalb der Altstadtmauern, wirklich erleben, in diese Stadt eintauchen. Wie ich es immer gerne auf Städtereisen mache. Warum nicht auch in Jerusalem?
Start am zentralen Busbahnhof, ausgestattet nur mit einer groben googlemaps Übersicht im Kopf. Maps habe ich nur im WLAN, ich habe kein mobiles Internet und einen Stadtplan wollte ich mir kostenlos am Jaffator holen. Wollte ich…
Es kam ganz anders und das war wirklich ein tiefes Eintauchen in die neue Stadt, in das heutige Leben in Westjerusalem. Wegen einer Absperrung der Straße vor dem zentralen Busbahnhof fragte ich nämlich einen Mann nach dem Weg Richtung Jaffator und den Markt Mahane Yehuda. „Come with me“, sagte der Mann, “ I am walking to the City Centre, too. I will take you there. We will be passing Mahane Yehuda“.
Aus dem Fragen nach dem Weg wurde ein gemeinsamer fünfstündiger Stadtrundgang.
Es war unfassbar, einzigartig, wunderbar. Ein glücklicher Zufall.
Mein Begleiter heißt Isaac, ist Jude und wohnt in Rechavia, einem schönen Stadtviertel mit Villen, großen Gärten und viel Grün. Hier wohnt auch der israelische Ministerpräsident und der Staatschef auch. Gute Gesellschaft also.
Ich erfahre viel über Jerusalem. Diese Stadt ist unglaublich. Es wird renoviert und gebaut, Häuser werden aufgestockt, wie und wo es nur geht. „If we want peace“, sagt Isaac, „we have to build homes for people here“. Sehr wahr. Die Siedlungen im Westjordanland, im palästinensischen Gebiet, sind ein Fehler, meine auch ich.

 

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Links das neue Gebäude des Hotels Waldorf Astoria, rechts ältere Häuser. Diese werden wahrscheinlich auf gleiche Höhe aufgestockt.
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Mahane Yehuda

 

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Immer Sabbat abends verwandeln sich die Marktstände in Pubs und der Markt in eine Party Location.
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Gebäude in der Nähe der Altstadtmauer mit Einschusslöchern von Geschossen aus der Zeit des Krieges 1967.

 

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Im Innenraum des Hauptpostamtes. Bauhausstil vom Feinsten.
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Villa im Stadtteil Rechavia. Hier leben viele Akademiker, reiche Leute, der Ministerpräsident, der Staatschef…

Isaac und ich haben einen schönen Tag zusammen, ich kenne nun viele Orte in Jerusalem, die Familien- und die halbe Lebensgeschichte von Isaac und bin um eine nette Begegnung mit einem Einheimischen reicher. „God loves me“, sagt Issac „he sent you to me today.“ Ich bin ja eher Atheistin, aber an eine glückliche Minute vor der Straßensperrung am Busbahnhof glaube ich auch. Und gebe das Kompliment zurück.

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Wartende an irgendeiner Bushaltestelle in Westjerusalem.

Israel: Wüsten-, Wasser- und Bus-Stories

Ich war noch nie in der Wüste.
Jetzt bin ich in Ein Gedi in der Judäischen Wüste.
Die Wüstenlandschaft hier ist großartig, erhaben, still, teilweise unberührt, durchzogen von im Sommer trockenen Wasserläufen, Nahal auf hebräisch. Und hin und wieder gibt es durch Wasserquellen grüne Oasen wie zum Beispiel Ein Gedi durch den Nahal David und Nahal Arugot.

 

Auf einem Tafelberg in der Judäischen Wüste ließ der römische König Herodes 36 bis 30 v. Chr. einen Palast und eine Festung errichten, um sich vor seinen jüdischen Feinden und vor Kleopatra zu schützen. Die Festung Massada. Pikanterweise versteckten sich 70. n. Chr., also rund 100 Jahre später, hier Juden vor den Römern, nachdem der Zweite Tempel in Jerusalem zerstört worden war. Und in der byzantinischen Zeit suchten christliche Mönche hier Zuflucht.
Ein immer wieder als Refugium dienender Ort also, mit bewegter Vergangenheit.

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Tafelberg und Festung Massada

 

Massada ist UNESCO Weltkulturerbe und wird in Folge dessen von nahezu allen asiatischen und amerikanischen und europäischen Touristengruppen (Fortbewegungsmittel: großer klimatisierter Reisebus) angesteuert.

Meine Konsequenz:
Erstens Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr, d.h. einem Bus der staatlichen Busgesellschaft Egged, von Ein Gedi nach Massada (Busnummer 384).
Zweitens Aufstieg über den so genannten Schlangenpfad, d.h. einen gewundenen Fußweg hinauf (nicht über die Seilbahn).
Drittens Ankunft in Massada um 9.15 Uhr und Aufstieg, bevor die großen Schwärme von Touristengruppen einfallen.
Mein Fazit: Die Strategie hat geklappt. Auf dem Schlangenpfad waren nur wenige Menschen unterwegs, übrigens auch zurück in der Mittagszeit. Es war nett, man grüßte freundlich. Es war weite Teile des Weges still. Wie schön. Eigentlich braucht man nur sehr wenig zum Glück: die Natur, ob man sie nun Natur, göttliche Schöpfung und Einheit, Universum oder was auch immer nennt. Die Liebe. Hier ein Dank an meinen lieben Mann, dass ich diese Reise zu neuen Erfahrungen und zu mir selbst unternehmen darf. Die Freundschaft, Freundlichkeit, Umsichtigkeit anderen Menschen gegenüber. Und für mich noch gutes Essen, Gesundheit und Bewegung.

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Blick von der Festung auf die Wüste und das Tote Meer

 

Das Tote Meer ist großartig.

Man kann sich drauflegen. Es trägt einen. Man fühlt sich schwerelos, Muskeln entspannen. Und schon folgt der Geist dem Körper nach. Die ganze Atmosphäre auf dem Wasser hat etwas Meditatives. Man spürt die Leichtigkeit des Körpers, so als wäre die Schwerkraft aufgehoben. Wenn man versucht, im seichten Uferbereich zu gehen, so sollte man erstens ganz praktisch Badeschuhe anhaben wegen der harten Salzablagerungen am Grund. Und dann fühlt man sich wie ein Moonwalker. Im etwas tieferen Wasser driften die Beine sofort nach oben. Und man schwebt. Und schaukelt leicht.
Das Einreiben des Körpers mit dem mineralhaltigen Schlamm soll ja schöne Haut machen. Auf jeden Fall macht es großen Spaß, rumzumatschen und den warmen Matsch auf seine Arme, Beine, seinen Bauch zu schmieren.
Und man lernt Leute kennen. Eine Amerikanerin aus Iowa fragte, ob sie ein Foto von mir machen dürfe als Matschmensch. Ich stand am Uferrand und sah aufs Tote Meer, genoss die Sonne, das langsame Antrocknen des Schlamms auf meiner Haut, das ganz leise Plätschern winzig kleiner Wellen und einfach den Moment. Sie meinte, genau das strahle ich aus und das wollte sie fotografisch festhalten. Einwilligung exklusive Einstellen auf Facebook erteilt 😉
Ein russisches Pärchen war angesichts der Schlammschlacht unentschlossen, leider des Englischen auch nicht kundig, und schaute auf Grund meiner englisch-deutsch-körpersprachlichen Aufforderung einfach zu, wie ich mich einrieb. Dann machten sie es lachend nach.
Und hinterher spült das türkisblaue Wasser alles wieder ab.
Achtung: Alle Schleimhäute und die Augen mögen das extreme Salzwasser nicht und reagieren umgehend mit Brennen.
Aber ansonsten ist das Tote Meer ein großer Spaß. Und das Tolle ist, dass jeder es auf seine Weise genießt. Ich habe Leute mit Sonnenhut baden sehen, sogar Leute mit so einem Flugzeug-Hörnchen um den Hals, um den Kopf abzustützen, und Leute mit Kleidung im Wasser. Anything goes.

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Und nun zu guter Letzt noch Bus Stories.

Man lernt ein fremdes Land sehr gut kennen, wenn man öffentlichen Nahverkehr benutzt. Nicht nur, weil man mit Bus oder Bahn ein interessantes Ziel erreicht.
Nein, vor allem, weil man Menschen und Lebensart kennenlernt.

Leider kann ich kein Hebräisch. Das würde Busfahren leichter machen.
Das Ziel und die Haltestelle ist nämlich nur auf Hebräisch angegeben, von Fahrplänen an der Haltestelle mal ganz zu schweigen.
Mein erster Busfahrer nach Massada war nett, sprach ein wenig Englisch und sagte mir sogar Bescheid, als wir in Massada ankamen.
Mein zweiter Busfahrer von Massada nach Ein Gedi war eine Viertelstunde zu früh (!). Und das, wo der Bus nur 90minütig fährt. Er gab mir zu wenig Wechselgeld heraus und konnte kein Englisch, weder in der Wechselgeldfrage noch für Fahrwegfragen meiner Mitreisenden.
Aber das krasseste passierte heute drei Amerikanerinnen, von denen ich eine schon kannte durch die Schlammfotoaktion. Sie unterhielten sich angeregt über eine im Dead Sea Spa erworbene phänomenale Körperlotion. Ihr Bus von Ein Gedi Spa nach Jerusalem kam, verlangsamte kurz das Tempo, gab dann Gas und fuhr weg. Die Amerikanerinnen hatten nicht rechtzeitig durch Winken darauf aufmerksam gemacht, dass sie mitfahren wollten. Der Bus fuhr wie  in ein U und sie liefen hinteher, riefen und winkten im zweiten U-Ast, aber der Fahrer blieb stur und fuhr weiter. Es ist Freitag und da ist nachmittags kein Busverkehr mehr. Der 14 Uhr – Bus war der letzte nach Jerusalem gewesen. Und so ein A…. von Fahrer wäre einem in den USA, in Griechenland, in Italien oder in Sydney nie passiert, ich glaube, selbst in Deutschland nicht.
Zum Glück wartete ich ja auf einen anderen Bus. Nicht den  nach Jerusalem.