Kleine Freuden…

Was ist zart, rosa und weiß und löst sofort ein irgendwie geartetes Glücksgefühl aus?

Apfelblüten.

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Gesehen  und bewundert gestern im Alten Land.

Das Alte Land liegt direkt vor den Toren Hamburgs an der Niederelbe und ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Norddeutschlands.

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So nah man an Hamburg auch dran ist, man ist doch ganz weit weg.

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In einer anderen Welt…

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Kleine Flucht aus dem Alltag…kleine große Freude.

Berlin/Potsdam: Ein kunstvolles Wochenende

 

„Fünftausend würde ich geben, aber nicht fünfunddreißigtausend!“, rief ein Mann, als ich eine Galerie in der Fasanenstraße in Berlin Charlottenburg betrat.

Gallery Weekend in Berlin vom 28.-30. April 2017.

Wie schön, wenn man Nützliches mit Angenehmem verbinden kann.
Konnte ich an diesem verlängerten Wochenende.
Ich war wieder einmal zur Fortbildung in Berlin und zugleich war und ist dort auch heute noch Gallery Weekend.
Berliner Galerien laden zu Rundgängen und Gesprächen ein und zeigen ihre interessanten Künstler.

Und interessant war es wirklich. Ich habe mir am Freitag abend Charlottenburg als „neuen Hotspot der Kunstwelt“ (WELTKUNST Spezial 02/2017) für meinen Rundgang ausgesucht. Charlottenburg war früher nicht so das Kunstviertel Berlins, was sich aber gerade zu ändern scheint. Die Atmosphäre in den sehr verschiedenartigen Galerien war locker, freundlich und sehr offen, auch wenn klar war, dass viele Besucher nichts kaufen würden.

Die Galerien und die ausgestellten Künstler hatten eine große Bandbreite. Das Publikum reichte von hip über jung-freakig bis Middle-Ager. In der ein oder anderen Galerie fand sich auch so eine Art avantgardistischer Berliner Society ein, hatte ich den Eindruck.

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Welch  ein Kontrast in der Contemporary Fine Arts Galerie in der Grolmannstraße: Eine Skulptur des Action Künstlers Bjarne Melgaard räkelt sich vor einem Jugendstilofen.
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Die  Galerie Grisebach in der Fasanenstraße lohnt einen Besuch schon wegen der gediegenen Räumlichkeiten. Gefallen hat mir hier besonders folgendes Bild: 
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Viermal Mona Lisa von Andy Warhol
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Künstler und Titel sind mir leider unbekannt, was nichts daran ändert, dass ich das Gemälde einfach cool finde. Gesehen in einer der Galerien am Fasanenplatz.

 

Cut. Klappe.

Hier kommt man selbst mit Fünfunddreißigtausend Euro nicht weit.

Museum Barberini in Potsdam.
Ich bin ein großer Fan von Ortrud Westheider.
Wer ist das denn? , höre ich schon fragende Stimmen.
Frau Westheider war viele Jahre Direktorin des kleinen, aber feinen Museums Bucerius Kunst Forum in Hamburg. Sie zeigte viele Ausstellungen mit dem gewissen Etwas, mit Pfiff und neuen Ideen.
Dann ging sie nach Potsdam am Anfang des Jahres 2017. Ein großer Verlust für Hamburg und ein großer Gewinn für Potsdam und wahrscheinlich eine große Chance für Frau Westheider, ein neues Museum in einem alten Palais aufbauen und gestalten zu können.

Was ein richtiger Fan ist, er nimmt einiges in Kauf…
Und so besuchte ich das Museum Barberini vergangenen Mittwoch.
Drei Stunden Autofahrt haben sich gelohnt.
Gezeigt werden im Moment eine Ausstellung „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft.“ und eine Ausstellung „Klassiker der Moderne“.

Ich bin nicht so ein ausgewiesener Impressionismus-Fan, aber Klassiker der Moderne faszinieren mich sehr. So auch hier.

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Gerhard Richter
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Rufino Tamayo. Fenster zum Hof. 
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Edvard Munch. Mädchen auf der Brücke. Munch ist für mich ein Meister in der Darstellung von Gefühlen und Stimmungen. Ein ganzer Raum ist ihm im Barberini gewidmet. Für Munch Fans absolut ein Muss. 

Verlässt man das Museum auf der Rückseite des Gebäudes zum Havelufer hin, so überrascht einen zum guten Schluss noch eine überlebensgroße Skulptur des Künstlers Wolfgang Mattheur „Der Jahrhundertschritt“ von 1984.

Diese kann man ja dann bei einem kleinen Gang an der Havel nachwirken lassen.

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Alle Jahre wieder…Weihnachtsmarkt und Weihnachtsstress

Alle Jahre wieder…

… scheußlicher Glühwein aus dem praktischen Metro-10-l-Kanister

… fettige Nürnberger Rostbratwurst im pappigen Brötchen

… Erzgebirge Holzfiguren mit Made-in-China-Aufkleber

… Hektik, Gedränge und Geschiebe all überall

 

Dieses Jahr mal anders…

… Feines aus Papier und Leder

… glänzend behütet und beschmückt

… Gute-Laune-Holzskulpturen handgeschnitzt

… Ruhe, Freundlichkeit und lockere Atmosphäre unter Ausstellern und Besuchern

 

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Jauchzet, frohlocket…

…auf dem Weihnachtsmarkt im Haus für Kunst und Handwerk Koppel 66 im kiezigen und szenigen Stadtteil St. Georg, unweit des Hauptbahnhofs, unweit der Alster, unweit der Innenstadt und doch eine andere Welt. Ein Besuch lohnt sich. Geöffnet ist auch noch nächstes Wochenende von Freitag bis Sonntag.

Jauchzet, frohlocket!

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Wer sich richtig was gönnen will, geht hinterher noch ins Café Gnosa in der Langen Reihe. 50iger Jahre Ambiente vom Feinsten, nicht retro, sondern echt so.

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Halleluja!

 

Nichts ist so, wie es scheint.

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Wer ist der Mann im Spiegel? Wie sieht er sich selbst? Wie sieht ihn der Betrachter? Was ist Wirklichkeit? Was ist Täuschung? Bei diesem Bild von René Magritte von 1937 mag der eine Betrachter überrascht sein, von dem, was er sieht. Der andere mag belustigt sein, ein weiterer mag den Widerspruch zwischen der Spiegelung des Mannes und der des Buchs sehen. Momentan ist dieses Gemälde, das mich spontan sehr fasziniert hat, in der Hamburger Kunsthalle zu bewundern. In einer wirklich gelungenen Ausstellung zur Kunst des Surrealismus.
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Is this an armchair? – Auf jeden Fall für Salvadore Dali! Manchmal sind Dinge eben anders, als wir sie uns vorstellen.  Momentan ist auch diese Skulptur in der Surrealismus Ausstellung der Hamburger Kunsthalle zu sehen.
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Es liegt im Auge des Betrachters: Ein Hase?“ Ein gerissener Hase“?, wie der Künstler Dieter Roth, 1930-1998, es beschriftet?, Eine Insel im Wasser? Eine  Landkarte? Dieses Bild hängt bei einem Privatsammler. Es hängt in den Räumen einer Rechtsanwaltskanzlei im feinen Hamburger Stadtteil Harvestehude. Einer der Gründungspartner der Kanzlei förderte den Künstler Dieter Roth. Entdeckt gestern bei der addart, bei der Hamburger Unternehmen vier Tage lang Einblick in ihre Privatsammlungen geben.
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Bin ich schön? Und wer entscheidet das? Derjenige oder Diejenige, der oder die ein Selfie in das soziale Netzwerk Instagram einstellt? Oder der Betrachter? Die Künstlerin Josephine Sagna, die ihr Bild „Forever twenty-one“ erläutert, transferiert Selfies aus dem flüchtigen Medium Instagram in die traditionelle Malerei mit Acrylfarben auf Leinwand. Sie sucht dabei nach starken Frauen. Frauen, die in ihrer Wahrnehmung Kraft und Stärke ausstrahlen. Ob sie auch wirklich so sind, wer vermag das schon zu sagen? Gesehen gestern bei der addart – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst-. Bei vangard wird den persönlich anwesenden Nachwuchskünstlern ein Raum gegeben.
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Wer ist diese Frau? Ist sie keck, frivol, erotisch, genervt, neugierig? Sie scheint mit ihrer Umgebung zu verschmelzen, sich irgendwie aufzulösen? Oder? Der erst 23 Jahre alte Künstler Lukas Siemoneit sagt, er wisse es auch nicht…- Gesehen bei vangard auf der addart.
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Diese Installation ist nur ein kleiner Teil einer großen Installation, die mal auf einer Wiese auf dem Krankenhausgelände Barmbek zu sehen war. Zuerst löste die Installation Befremden aus, nach dem Motto „Was sollen die Plastikflaschen mit Leuchtdioden hier?“. Nach einiger Zeit sahen Mitarbeiter des Krankenhauses und Patienten wahlweise eine Wiese mit blühenden Blumen darin oder einen Sternenhimmel oder Lichtblicke. Der Künstler, der seine Installationen immer nur temporär irgendwo ausstellt, hat sich am Ende sogar bereit erklärt, seine Exposition um ein halbes Jahr zu verlängern. Manchmal braucht es eben auch einen zweiten oder dritten Blick…- Heute steht dieser kleine Teil des Kunstwerks bei der Firma Lohmann konzept im Büro eines Gesellschafters und Sammlers .

Was ich immer wieder toll finde an der Kunst, ist, dass sie die Perspektive öffnet.
Menschen und Dinge sind nicht so, wie ich es sehe oder wie ich meine, dass es ist oder sein müsste. Es gibt so viele Sichtweisen und keine ist richtig oder falsch. Wer wollte darüber entscheiden?

Brexit. Ganz persönlich.

 

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Huthwaite bei Mansfield,  25. Juni 2016, 11 Uhr:

Ein kleines grau verputztes Doppelhaus mit den typischen englischen Schiebefenstern mit Einfachverglasung. Ein kleiner Garten, eine Glashaustür, keine Klingel, kein Namensschild an der Tür, wir klopfen. Drinnen bellen mehrere Hunde durcheinander. Sie haben das Klopfen auf jeden Fall gehört. Die Haustür geht auf. Und in der Tür steht unsere sechzehnjährige Tochter. Umarmungen, strahlende Gesichter, Wiedersehen nach einem knappen Jahr.

Mein ganz persönlicher Brexit: Ich bin mit  meinem Mann zusammen nach England gekommen, um unsere Tochter nach ihrem Auslandsschuljahr auf einer öffentlichen Schule und in einer Gastfamilie abzuholen.
Tausche Sabbatical, tausche Freiheit gegen Tochter. Ja!

Soweit zu unserem Familien-Brexit.
Es gibt aber dieser Tage auch noch den politischen Brexit.
Und der ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen…
Er spaltet die Menschen hier.

Mansfield, 25. Juni 2015, 14 Uhr:

Frankie’s and Benny’s, ein Restaurant in Mansfield.

Apropos Mansfield? Wo ist das denn eigentlich?
Mansfield ist eine Kleinstadt in Mittelengland. Es ist eine „socially deprived area“ (so genannt in den Geography Lessons meiner Tochter an der Brunts Academy, Mansfield) oder ein „shithole“ (so genannt von englischen Freundinnen meiner Tochter).

Eine etwa 30jährige Frau, die mit Mann und zwei kleinen Kindern am Nebentisch des Restaurants sitzt, beugt sich irgendwann rüber und sagt: „Are you German?“ „Yes“, antworten wir und denken, jetzt kommen die üblichen Fragen nach der Stadt, wo wir herkommen, dem Grund des Besuchs und vielleicht Tipps für Unternehmungen.
Aber nein, über uns ergießt sich ein Wortschwall zum Thema Brexit. Einen Tag zuvor hatten die Briten mehrheitlich für den Austritt aus der EU gestimmt.
„I am over the moon about it“, sagt sie. Und „Britain first“ und „This is democracy. We get back our sovereignity“ und vieles in der Art mehr. Sie gestikuliert wild mit ihren Händen in der Luft, sie reißt die Augen auf, sie unterstreicht ihre Worte nachdrücklich im Tonfall. Unsere Gegenargumente benutzt sie sofort für eine weitere Argumentation für den Austritt. Jeder britische Student muss 9000 Pfund für die Uni zahlen und sie will keine ausländischen Erasmus-Studenten mehr sehen, die angeblich umsonst studieren können (Können sie nicht, da die EU ja für Erasmus zahlt…). Am Ende sagt sie, all das sei nicht gegen uns persönlich gerichtet.

Nottingham, 26. Juni 2016:

Meine Tochter bekommt folgende Whatsapp-Nachricht von einer ihrer englischen Schulfreundinnen: “ By the way, I feel I should apologize in behalf of England because we’re all twats after Brexit.“

Ein Museumsführer im Castle of Nottingham fragt, ob wir aus Deutschland kommen und sagt dann mit leiser Stimme „Did you hear about the Leave Vote? I am ashamed. I am absolutely ashamed.“

Diese Entscheidung lässt die Menschen nicht kalt. Jeder hat eine ganz persönliche Meinung, für die er steht und die er auch mitteilen möchte, haben wir den Eindruck.

Keswick, Lake District, 27. Juni 2016:

Die Vermieterin unseres Cottages hier im Lake District händigt uns bei Anreise den Schlüssel aus, erklärt uns die Heizung und die Waschmaschine, die Mülltrennung (!) und zeigt uns das Haus. Dann sagt sie unvermittelt: “ I am devastated about the vote“ und „this is a decision of the old generation“.

In den englischen Fernsehnachrichten wird deutlich, welch Chaos, nicht nur auf europäischer Ebene, sondern auch im Land zwischen den Parteien und innerhalb der Parteien entstanden ist. Genauso wie zwischen den Menschen.

Es bleibt spannend, wie es weitergehen wird.
Und bei uns im Kleinen bleibt es auch spannend. Wie werden wir uns verstehen nach einem Jahr getrennten Lebens, nach neuen Erfahrungen, nach einer persönlichen Weiterentwicklung durch Auslandsschuljahr bzw. Sabbatical? Gibt es den von einigen prognostizierten „reverse culture shock“?

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Old Market Square, Nottingham

 

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Mirehouse, bei Keswick, Lake District

 

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Die Liebe in England, zu England und überhaupt geht durch den Magen – Scones mit Clotted Cream und Strawberry Jam

 

Soleil du Monde

Soleil du Monde
Chartreuse de Parme
Claire Austin
Jubilee Celebration
La Rose de Molinard…

…so und so ähnlich heißen die Rosen im Garten einer Freundin von mir. Sie sind zartgelb, tiefgelb, rosa, pink, lila, hellrot, tiefrot.
Sie bilden gegen den Hintergrund von Eibe, Hartriegel oder Hemlocktanne ein verschwenderisches Farbfeuerwerk. Sie knospen und blühen, als gelte es, einen Wettstreit zu gewinnen. Einige duften zudem, so als ob man ein schweres Damenparfum riechen würde oder nach Seife oder zart.

Ich sag’s mal mit Herrn von Goethe:

„Rosen, ihr blendenden,
Balsam versendenden!
Flatternde, schwebende,
heimlich belebende,
Zweiglein beflügelte,
Knospen entsiegelte
Eilet zu blühn.“

Mit der Entscheidung für einen Garten ist es ja ähnlich wie mit der Entscheidung für Kinder 😉
Beides braucht viel Zeit, Liebe und Energie und bindet einen für Jahre.
Die Entscheidung für zwei Kinder war für mich absolut richtig.
Mein Garten und ich haben uns vor zwei Jahren getrennt, nach immerhin zwanzig Jahren. Wir passten auf die Dauer einfach nicht zusammen.
Und so genieße ich denn jetzt meine Balkonrose – und freue mich an einem Garten, den ein anderer pflegt.

Wie ist es bei euch? Mögt ihr Rosen? Und Gärten?