Hamburg. Wasserkunst Kaltehofe

Wasserkunst Kaltehofe

Es gibt ja so Orte, da war man noch nie.
Obwohl sie mitten in der eigenen Stadt liegen, in der eigenen Heimatstadt, um genau zu sein.

Solch ein Ort war bei mir Kaltehofe, bis gestern.
Kaltehofe ist eine Insel in der Elbe, sie gehört zu dem innenstadtnahen Stadtteil Rothenburgsort und zum Bezirk Mitte.
Auf dieser Elbinsel wurde Ende des 19. Jahrhunderts eine Elbwasserfilteranlage errichtet.
Heute machen wir den Wasserhahn auf und es kommt sauberes, klares, trinkbares, neutral schmeckendes Trinkwasser heraus.
Noch vor 150 Jahren wurde das Trinkwasser aus dem gleichen Gewässer entnommen wie Abwasser eingeleitet wurde, beides ungefiltert. Cholera- und Typhusinfektionen wundern einen da gar nicht mehr, fast wundert es einen stärker, dass nicht noch viel mehr Menschen daran erkrankten und starben, dass überhaupt jemand überlblieb, sozusagen.

Schieberhäuschen Kaltehofe

In 22 Filterbecken wurde mittels Sandfiltration Elbwasser gereinigt. Erst 1990, also wirklich fast vorgestern, wurde die Anlage stillgelegt. Heute sorgen dezentrale Wasserwerke für die Wasserversorgung Hamburgs aus gereinigtem Grundwasser.

Die aus rotem Backstein gebauten Schieberhäuschen, in denen der Wasserstand der Becken geregelt wurde, sind teils noch gut erhalten, teils verfallen sie. Der Verfall ist kalkuliert, denn die Natur erobert sich mit vielfältiger Flora und Fauna das Areal zurück.

Schieberhäuschen in Kaltehofe

Und was hat das nun alles mit Kunst zu tun?

Wasserkunst nannte man tatsächlich schon im Mittelalter Anlagen zur Wasserversorgung von Burgen.
Aha. Wieder was gelernt.
Und heute mutet das gesamte Areal mit den kleinen backsteinernen Schieberhäuschen und der historischen Villa wie Kunst im öffentlichen Raum an.
So im Kleinen beeindruckt hat mich auch Wasserkunst, die jeder Besucher für sich selber erleben kann, indem er mit Klopfen auf eine wassergefüllte Klangschale seine eigenen Resonanzen auf dem Wasser erzeugt.

Resonanz Klangschale Wasserkunst Kaltehofe

Ich sage, es ist Kunst.
„Alles Physik“, sagt mein Mann.

Künstlerisch gestaltet ist der moderne, quasi aus dem Wasser auftauchende Kubus neben der historischen Villa. Schöner Kontrast schon mal.
Im Inneren haben Heller Architects and Designers eine fiktive Bildhauerwerkstatt geschaffen. Wenn man sich drauf einlässt, betritt man ein Künstlerrefugium, in dem gerade an Brunnen und Wasserspielen für die Stadt Hamburg gearbeitet wird. Klanginstallationen sind zu hören.
Skulpturen in Arbeit sind zu sehen.
Der Künstler scheint vielleicht nur gerade mal Pause zu machen.
Wasserkunst.

Künstlerwerkstatt Cubus Kaltehofe

Hygieia-Brunnen

Die stolze Dame ist die Göttin Hygieia, die den Brunnen im Innenhof des Hamburger Rathauses krönt.

Da könnte man eigentlich auch mal wieder hingehen.
Das ist zwar ein Ort, an dem ich schon mal war. Aber es ist lange her…

 

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3 Gedanken zu “Hamburg. Wasserkunst Kaltehofe

  1. Kaltehofe hatte auch ich erst entdeckt, nachdem ich nach fast 20 Jahren „Hamburgerin“ schon fast 5 Jahre aus Hamburg weggezogen war. Unglaublich. Und Kaltehofe ist wirklich einen Ausflug wert! LG Ulrike

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    1. Interessant, dass es dir genauso geht.
      Und wäre nicht der Tag der offenen Industriekultur gewesen, dessen Besuch wir mit Freunden geplant hatten, so wäre ich definitiv nicht auf Kaltehofe gekommen.
      Einen sonnigen Tag wünsche ich noch
      Marianne

      Gefällt 1 Person

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