Israel. Tel Aviv.

Tel Aviv ist Tel Aviv. Es passt in keine Schublade.

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Tel Aviv ist jung und gechillt.

Überall sieht man junge Leute, viele Paare mit kleinen Kindern, mehreren kleinen Kindern. In Deutschland überwiegen da doch die jungen Ein-Kind-Familien.
Ich bin kurz vor und am Pessach-Fest hier. Das Pessach-Fest feiert den Auszug der Israeliten aus Ägypten ca. 1300 v. Chr. und hat in etwa die Bedeutung für jüdische Gläubige wie Weihnachten für die Chritsten. Da haben sicherlich auch einige frei. Sonst kann es gar nicht sein, dass es alltags in den Strandbars voll ist, in den Restaurants und Cafes teils kaum ein Platz zu ergattern ist, es auf der Promenade und am Strand voll ist. Voll mit jungen Leuten, die ihr Leben genießen.

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Tel Aviv ist Strand.

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Tel Aviv ist Bauhaus.

Ich persönlich mag ja den Bauhaus Archtiekturstil sehr gerne. Da bin ich in Tel Aviv genau richtig. Hier wurden zwischen 1925 und 1955 viele Häuser in diesem schlichten, eher funktionalen und schnörkellosen, etwas eckig wirkenden Stil gebaut. Flachdach, quadratisch, praktisch, gut. Viele Architekten sind vor den Nazis aus Deutschland geflohen und habe diesen Baustil hierher mitgebracht. Um den Rothschild Boulevard und in den Nebenstraßen sieht man toll restaurierte Gebäude. Auch abgerundete Balkone und Ergänzungen in Richtung Jugenstil mit schmiedeeisernen Balkongittern findet man häufig. Der Rundgang durch das Bauhaus-Viertel war für mich ein absolutes Muss.

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Tel Aviv ist Unabhängigheit.

Hier wurde 1948 von David Ben Gurion die Unabhängigkeit und Gründung des Staates Israel verkündet. Die britische Mandatsverwaltung hatte vorher grünes Licht gegeben. Und so gibt es nun den ersten jüdischen Staat. Was viele nicht wissen: Israel ist zwar Heimat für die Juden, aber es ist ein säkularer Staat mit Religionsfreiheit für alle Religionen. Keiner wird an der Ausübung seiner Religion gehindert.
Die Independance Hall ist ein sehr schlichter und dennnoch sehr bedeutender Ort, ehemals Bürgermeister Dizengoffs Wohnhaus.

 

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Tel Aviv ist orientalisch.

Rund um die Allenby-Street, den Nachalat Binyamin und den Carmelmarkt fühlt man sich in eine orientalische Stadt versetzt. Es riecht würzig, nach orientalischen Gewürzen, es gibt Falafel und Kebap, Läden mit billigen Klamotten und Taschen sind neben Stoffgeschäften sehr dominant im Straßenbild. Ein Straßenkünstler trommelt wild und gekonnt auf Eimern, Dosen und anderen Gegenständen herum.
Ich persönlich fühle mich im schlichten Bauhausviertel wohler. Aber das ist ja Geschmackssache.

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Tel Aviv-Jaffa ist arabisch.

Jaffa ist eine 5000 Jahre alte Mittelmeerstadt mit bedeutendem Hafen. Sie ist schon von Juden, Römern, Griechen, Türken, Marmelucken und was weiß ich noch für Völkern regiert worden. Heute leben hier neben Juden vor allem Muslime. Das fällt sofort auf, wenn man sich Jaffa von der Strandpromenade her nähert. Voll verschleierte Frauen habe ich im Stadtzentrum von Tel Aviv nicht gesehen. Hier schon.
Die Altstadt wirkt weniger arabisch als herausgeputzt, gewienert für Busladungen von Touristen, die hier durch die Geschäfte geschleust werden. Ein Ort, den ich schnellstens wieder verlasse.
Es gibt in Jaffa aber auch sehr arabisch wirkende Straßen mit alten Männern, die in Cafes herumsitzen und gucken, mit Wasserpfeifen-Lokalen und kleinen Läden.

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Tel Aviv ist modern.

Die Skyline mit ihren Hochhäusern, breite Straßen, gut ausgebaute Infrastruktur. Das alles erscheint sehr europäisch oder nordamerikanisch. Frauen können sich hier unbehelligt in jeder Art von Kleidung frei bewegen. Homosexuelle Paare habe ich gesehen. Stillende Mütter saßen neben mir auf einer Parkbank. Diese Freiheit weiß man erst zu schätzen, wenn man es mal anders erlebt hat.

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Tel Aviv ist Kunstmetropole.

Wann immer es irgend geht, gehe ich in ein Kunstmuseum.
Und hier in Tel Aviv war ich im Tel Aviv Museum of Art.
Ich hatte schon viel gesehen in dieser Stadt. Und ich fand vieles bemerkenswert, schön und interessant.
Aber nun fand ich mein erstes absolutes Highlight in dieser Stadt: Diese Präsentation von Malerei, Skulptur, Installation,  Modern Art, Street Art, Design und Architektur ist einzigartig! Alles unter einem Dach.
Die Hängung von Bildern luftig, mit viel Platz, das gleiche bei der Präsentation von Skulpturen und Contemporary Art. Installationen mit Pfiff und viel Raum.
Ich bin begeistert.
Auch die Ordnung nach Sammlungen hat ihren besonderen Charme. Das kennt man bei uns nicht so. Förderer und Sammler haben große Sammlungen dem Museum zur Verfügung gestellt und diese werden als spezielle Sammlung präsentiert. Dadurch kann es vorkommen, dass man einen Künstler in mehrern Sammlungen vertreten findet. Reizvoll ist daran, dass man auch einen Blick bekommt, welche Art von Kunst ein bestimmter Sammler so bevorzugt und gekauft hat, wie seine eigene besondere Zusammenstellung war.
Und man stelle sich vor: Es war leer. Man konnte in aller Ruhe an Werke herantreten und sie auch mal länger ungestört betrachten. Sich darin verlieren.
In Paris, in Stockholm, in Hamburg und besonders in den Uffizien in Florenz sieht man teils mehr andere Menschen von hinten als das Bild.
Ich bin ein absoluter Fan des Tel Aviv Museum of Art!

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IMG_4915Dieses ist Jackson Pollock. Dancers.

 

Und das Beste kommt wie immer zum Schluss:

Wie so oft sind es vor allem die Begegnungen mit besonderen Menschen an besonderen Orten, die mich wirklich gefangennehmen.

In diesem Fall wanderte ich durch ein von anderen Touristen offenbar nicht angesteuertes Viertel, Neve Tzedek. Hier liegt die Wurzel der Stadt Tel Aviv. Hier bauten Pioniere die ersten Häuser auf weichem Dünensand. Das war 1887. Juden zogen von Jaffa aus los und gründeten ihre eigene Stadt auf Dünen. Den jüdischen Siedlern aus Jaffa folgten bald Einwanderer vor allem aus Osteuorpa und dem Jemen. So sind die Straßenzüge in Neve Tzedek sehr unterschiedlich. Es gibt kleine aneinandergereihte Häuschen mit Holzfensterläden, es gibt osmanisch anmutende Straßen, es gibt Häuser, die aussehen, wie in Paris Montmartre und es gibt Gebäude, die mich an den in Sydney vorkommenden Kolonialstil erinnern.

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Und es gibt ein Museum. Das Rokach-Haus.

Shimon Rokach war einer der Siedlerpioniere. Das Haus ist mit Original-Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert und vielen Original Dokumenten und Fotos ein echtes Highlight.
Und was für mich ganz besonders war, dass ich mich lange mit der Museumsbetreuerin unterhalten habe, denn ich war der einzige Gast. Die Touristenbusse fahren zum Glück woanders hin. So habe ich viel über die Geschichte der Familie Rokach gelernt.

Die Enkelin des Siedlerpioniers Shimon Rokach wohnt noch im zweiten Stock des Hauses. Sie heißt Leah Rokach und ist 89 Jahre alt. Sie ist Künstlerin und hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Haus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so wie es früher bei ihrem Großvater war. Sondern auch die Geschichte lebendig zu erhalten. Und sie präsentiert hier  ihre Skulpturen und Bilder. Weiterhin  habe ich einiges über das Pessach-Fest erfahren, das ja jetzt ist.

Kurzum: Es war einfach nett und entspannt, mit einer so freundlichen Tel Aviverin zu klönen.

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2 Gedanken zu “Israel. Tel Aviv.

  1. HannoverblickOst

    Hallo Marianne, interessanter Bericht! Ich wusste gar nicht, dass es in Tel Aviv so viel Bauhaus-Stil gibt. Und dass die Stadt so vielfältig ist. Würde mir auch sehr gefallen!

    Gefällt mir

    1. Shalom,
      Seit 2003 gehören 1000 Häuser im Bauhausviertel zum UNESCO Weltkulturerbe „Die weiße Stadt“ und stehen unter Denkmalschutz.
      Ich bin auch begeistert von der Verschiedenartigkeit dieser Stadt.
      Viele Grüße, Marianne

      Gefällt 1 Person

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