Israel. Jerusalem

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Blick auf den Tempelberg mit dem Felsendom und auf die Klagemauer.

Ich war an  zwei Tagen auf Ausflug in Jerusalem.
Die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Das erste Mal habe ich eine Tour mit einem Anbieter gebucht, der hier vor Ort in Ein Gedi per Flyer für Kleingruppentouren mit einem Mercedes Sprinter wirbt.
Ich dachte, eine Gruppentour ist sicherer und ganz komfortabel, weil einem Erläuterungen geliefert werden. Und weil wir außer in Jerusalem auch in Bethlehem waren. Bethlehem ist unter Verwaltung der palästinensischen Autonomiebehörde, da kommt man sonst so leicht nicht hin.

Kurz zusammengefasst:

Das Gute an dieser Tour:
Ich habe den Ölberg gesehen, Jerusalem vom Skopusberg aus im Überblick gehabt, bin im Garten Gethsemane gewandert, in dem Jesus wanderte und ausgeliefert, man kann auch sagen verraten, wurde von Judas. Ich habe an der Klagemauer gestanden und Jüdinnen beten und singen gesehen und gehört. Ich habe den arabischen Souk besucht, habe in der

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Grabeskirche den Stein berührt, auf den Jesus nach seiner Kreuzigung gelegt wurde. Ich habe den Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqusa-Moschee gesehen, bin durch das jüdische Viertel geführt worden. Ich habe die alte Stadtmauer aus Zeit König Davids (1000 v. Chr.) bewundert, wie sie weit unter heutigem Straßenniveau freigelegt wurde.

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Stein, auf den Jesus nach der Kreuzigung zum Salben gelegt wurde.
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Stadtmauer der von König David ca. 1000 v. Chr. gegründeten Stadt Jerusalem.

Außerdem waren wir in Behtlehem in Jesus Geburtskirche und konnten seinen Geburtsplatz sehen.

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Geburtsplatz Jesu in der Geburtskirche in Bethlehem.

Das nicht so Gute an dieser Tour:
Zu viele touristische Hotspots in kurzer Zeit. Eine Gruppe aus mir plus elf Österreichern aus einem anderen Hotel. Der eine will im Souk Gewürze kaufen, der andere ein T-Shirt vom Hardrock Cafe Jerusalem, das es aber  in Jerusalem gar nicht mehr gibt (!), die nächste will Granatapfelsaft frisch gepresst probieren, der nächste braucht eine neue Speicherkarte für seinen Fotoapparat…Die Gruppe ist unfassbar anstrengend. Das zieht Energie. Der Guide ist Araber, lebt in Israel  und hat teilweise eine etwas spezielle Sicht auf die Dinge.
Fazit für mich: Sehr dichtes erstes Kennenlernen dieser faszinierenden Stadt, Heilige Stadt für Christen verschiedener Richtungen, für Juden und für Moslems.
Ich komme mir unter den ganzen Gläubigen und Betenden ein bisschen vor wie im Theater oder im Ballett. Wie ein Zuschauer, interessiert, bewundernd, aber außen vor.

Diese Stadt hat mich nicht mehr losgelassen.
Und so habe ich entschieden, noch einmal allein mit dem Linienbus über Land ein einhalb Stunden von Ein Gedi aus hinzufahren.
Ich wollte Jerusalem, auch die Neustadt Westjerusalem außerhalb der Altstadtmauern, wirklich erleben, in diese Stadt eintauchen. Wie ich es immer gerne auf Städtereisen mache. Warum nicht auch in Jerusalem?
Start am zentralen Busbahnhof, ausgestattet nur mit einer groben googlemaps Übersicht im Kopf. Maps habe ich nur im WLAN, ich habe kein mobiles Internet und einen Stadtplan wollte ich mir kostenlos am Jaffator holen. Wollte ich…
Es kam ganz anders und das war wirklich ein tiefes Eintauchen in die neue Stadt, in das heutige Leben in Westjerusalem. Wegen einer Absperrung der Straße vor dem zentralen Busbahnhof fragte ich nämlich einen Mann nach dem Weg Richtung Jaffator und den Markt Mahane Yehuda. „Come with me“, sagte der Mann, “ I am walking to the City Centre, too. I will take you there. We will be passing Mahane Yehuda“.
Aus dem Fragen nach dem Weg wurde ein gemeinsamer fünfstündiger Stadtrundgang.
Es war unfassbar, einzigartig, wunderbar. Ein glücklicher Zufall.
Mein Begleiter heißt Isaac, ist Jude und wohnt in Rechavia, einem schönen Stadtviertel mit Villen, großen Gärten und viel Grün. Hier wohnt auch der israelische Ministerpräsident und der Staatschef auch. Gute Gesellschaft also.
Ich erfahre viel über Jerusalem. Diese Stadt ist unglaublich. Es wird renoviert und gebaut, Häuser werden aufgestockt, wie und wo es nur geht. „If we want peace“, sagt Isaac, „we have to build homes for people here“. Sehr wahr. Die Siedlungen im Westjordanland, im palästinensischen Gebiet, sind ein Fehler, meine auch ich.

 

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Links das neue Gebäude des Hotels Waldorf Astoria, rechts ältere Häuser. Diese werden wahrscheinlich auf gleiche Höhe aufgestockt.
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Mahane Yehuda

 

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Immer Sabbat abends verwandeln sich die Marktstände in Pubs und der Markt in eine Party Location.
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Gebäude in der Nähe der Altstadtmauer mit Einschusslöchern von Geschossen aus der Zeit des Krieges 1967.

 

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Im Innenraum des Hauptpostamtes. Bauhausstil vom Feinsten.
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Villa im Stadtteil Rechavia. Hier leben viele Akademiker, reiche Leute, der Ministerpräsident, der Staatschef…

Isaac und ich haben einen schönen Tag zusammen, ich kenne nun viele Orte in Jerusalem, die Familien- und die halbe Lebensgeschichte von Isaac und bin um eine nette Begegnung mit einem Einheimischen reicher. „God loves me“, sagt Issac „he sent you to me today.“ Ich bin ja eher Atheistin, aber an eine glückliche Minute vor der Straßensperrung am Busbahnhof glaube ich auch. Und gebe das Kompliment zurück.

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Wartende an irgendeiner Bushaltestelle in Westjerusalem.
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4 Gedanken zu “Israel. Jerusalem

  1. HannoverblickOst

    Ich finde das irre, welche glücklichen Umstände einen immer solche nachhaltigen Erlebnisse ermöglichen und wann man bauchtechnisch „ja“ und wann man „nein“ sagt. Hätte Dein – verständlicherweise vorhandenes Misstrauen vor fremden Männern – gesiegt, wäre diese Erfahrung sicher ausgeblieben. Hoffentlich kommen da noch so einige weitere. Beste Grüße nach Israel! Simone

    Gefällt mir

    1. Hallo Simone, ich glaube, dass das Bauchgefühl meist ein ganz guter Ratgeber ist. Und der Verstand hat in Jerusalem auch mitgemischt, denn eine belebte Gegend in einer westlichen Stadt ist eben auch was anderes als ein ruhiges arabisches Restaurant in Dubai. Und ein gemäßigter Jude etwas anderes als ein muslimischer Mann, muss man mal ganz ehrlich sagen.
      Shalom, Marianne

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