Israel: Wüsten-, Wasser- und Bus-Stories

Ich war noch nie in der Wüste.
Jetzt bin ich in Ein Gedi in der Judäischen Wüste.
Die Wüstenlandschaft hier ist großartig, erhaben, still, teilweise unberührt, durchzogen von im Sommer trockenen Wasserläufen, Nahal auf hebräisch. Und hin und wieder gibt es durch Wasserquellen grüne Oasen wie zum Beispiel Ein Gedi durch den Nahal David und Nahal Arugot.

 

Auf einem Tafelberg in der Judäischen Wüste ließ der römische König Herodes 36 bis 30 v. Chr. einen Palast und eine Festung errichten, um sich vor seinen jüdischen Feinden und vor Kleopatra zu schützen. Die Festung Massada. Pikanterweise versteckten sich 70. n. Chr., also rund 100 Jahre später, hier Juden vor den Römern, nachdem der Zweite Tempel in Jerusalem zerstört worden war. Und in der byzantinischen Zeit suchten christliche Mönche hier Zuflucht.
Ein immer wieder als Refugium dienender Ort also, mit bewegter Vergangenheit.

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Tafelberg und Festung Massada

 

Massada ist UNESCO Weltkulturerbe und wird in Folge dessen von nahezu allen asiatischen und amerikanischen und europäischen Touristengruppen (Fortbewegungsmittel: großer klimatisierter Reisebus) angesteuert.

Meine Konsequenz:
Erstens Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr, d.h. einem Bus der staatlichen Busgesellschaft Egged, von Ein Gedi nach Massada (Busnummer 384).
Zweitens Aufstieg über den so genannten Schlangenpfad, d.h. einen gewundenen Fußweg hinauf (nicht über die Seilbahn).
Drittens Ankunft in Massada um 9.15 Uhr und Aufstieg, bevor die großen Schwärme von Touristengruppen einfallen.
Mein Fazit: Die Strategie hat geklappt. Auf dem Schlangenpfad waren nur wenige Menschen unterwegs, übrigens auch zurück in der Mittagszeit. Es war nett, man grüßte freundlich. Es war weite Teile des Weges still. Wie schön. Eigentlich braucht man nur sehr wenig zum Glück: die Natur, ob man sie nun Natur, göttliche Schöpfung und Einheit, Universum oder was auch immer nennt. Die Liebe. Hier ein Dank an meinen lieben Mann, dass ich diese Reise zu neuen Erfahrungen und zu mir selbst unternehmen darf. Die Freundschaft, Freundlichkeit, Umsichtigkeit anderen Menschen gegenüber. Und für mich noch gutes Essen, Gesundheit und Bewegung.

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Blick von der Festung auf die Wüste und das Tote Meer

 

Das Tote Meer ist großartig.

Man kann sich drauflegen. Es trägt einen. Man fühlt sich schwerelos, Muskeln entspannen. Und schon folgt der Geist dem Körper nach. Die ganze Atmosphäre auf dem Wasser hat etwas Meditatives. Man spürt die Leichtigkeit des Körpers, so als wäre die Schwerkraft aufgehoben. Wenn man versucht, im seichten Uferbereich zu gehen, so sollte man erstens ganz praktisch Badeschuhe anhaben wegen der harten Salzablagerungen am Grund. Und dann fühlt man sich wie ein Moonwalker. Im etwas tieferen Wasser driften die Beine sofort nach oben. Und man schwebt. Und schaukelt leicht.
Das Einreiben des Körpers mit dem mineralhaltigen Schlamm soll ja schöne Haut machen. Auf jeden Fall macht es großen Spaß, rumzumatschen und den warmen Matsch auf seine Arme, Beine, seinen Bauch zu schmieren.
Und man lernt Leute kennen. Eine Amerikanerin aus Iowa fragte, ob sie ein Foto von mir machen dürfe als Matschmensch. Ich stand am Uferrand und sah aufs Tote Meer, genoss die Sonne, das langsame Antrocknen des Schlamms auf meiner Haut, das ganz leise Plätschern winzig kleiner Wellen und einfach den Moment. Sie meinte, genau das strahle ich aus und das wollte sie fotografisch festhalten. Einwilligung exklusive Einstellen auf Facebook erteilt 😉
Ein russisches Pärchen war angesichts der Schlammschlacht unentschlossen, leider des Englischen auch nicht kundig, und schaute auf Grund meiner englisch-deutsch-körpersprachlichen Aufforderung einfach zu, wie ich mich einrieb. Dann machten sie es lachend nach.
Und hinterher spült das türkisblaue Wasser alles wieder ab.
Achtung: Alle Schleimhäute und die Augen mögen das extreme Salzwasser nicht und reagieren umgehend mit Brennen.
Aber ansonsten ist das Tote Meer ein großer Spaß. Und das Tolle ist, dass jeder es auf seine Weise genießt. Ich habe Leute mit Sonnenhut baden sehen, sogar Leute mit so einem Flugzeug-Hörnchen um den Hals, um den Kopf abzustützen, und Leute mit Kleidung im Wasser. Anything goes.

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Und nun zu guter Letzt noch Bus Stories.

Man lernt ein fremdes Land sehr gut kennen, wenn man öffentlichen Nahverkehr benutzt. Nicht nur, weil man mit Bus oder Bahn ein interessantes Ziel erreicht.
Nein, vor allem, weil man Menschen und Lebensart kennenlernt.

Leider kann ich kein Hebräisch. Das würde Busfahren leichter machen.
Das Ziel und die Haltestelle ist nämlich nur auf Hebräisch angegeben, von Fahrplänen an der Haltestelle mal ganz zu schweigen.
Mein erster Busfahrer nach Massada war nett, sprach ein wenig Englisch und sagte mir sogar Bescheid, als wir in Massada ankamen.
Mein zweiter Busfahrer von Massada nach Ein Gedi war eine Viertelstunde zu früh (!). Und das, wo der Bus nur 90minütig fährt. Er gab mir zu wenig Wechselgeld heraus und konnte kein Englisch, weder in der Wechselgeldfrage noch für Fahrwegfragen meiner Mitreisenden.
Aber das krasseste passierte heute drei Amerikanerinnen, von denen ich eine schon kannte durch die Schlammfotoaktion. Sie unterhielten sich angeregt über eine im Dead Sea Spa erworbene phänomenale Körperlotion. Ihr Bus von Ein Gedi Spa nach Jerusalem kam, verlangsamte kurz das Tempo, gab dann Gas und fuhr weg. Die Amerikanerinnen hatten nicht rechtzeitig durch Winken darauf aufmerksam gemacht, dass sie mitfahren wollten. Der Bus fuhr wie  in ein U und sie liefen hinteher, riefen und winkten im zweiten U-Ast, aber der Fahrer blieb stur und fuhr weiter. Es ist Freitag und da ist nachmittags kein Busverkehr mehr. Der 14 Uhr – Bus war der letzte nach Jerusalem gewesen. Und so ein A…. von Fahrer wäre einem in den USA, in Griechenland, in Italien oder in Sydney nie passiert, ich glaube, selbst in Deutschland nicht.
Zum Glück wartete ich ja auf einen anderen Bus. Nicht den  nach Jerusalem.

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