Reise in den Jugendstil

Es ist dunkel. Die wenigen Straßenlaternen spenden nur ein mattes Licht. An mir vorbei huschen mehrfach Gestalten in Jeans, Turnschuhen und dunklen Kapuzenpullovern mit hochgezogenen Kapuzen. Sonst ist wenig los, vom stetig fließenden Autoverkehr und kreischend bremsenden Zügen mal abgesehen.
Ich gehe schnellen Schrittes in einer Gegend von Hamburg, in die ich nur selten und immer mit einem mulmigen Gefühl gehe, die berühmt-berüchtigte Gegend zwischen Hauptbahnhof und Steindamm.

Aber am heutigen Abend habe ich ein Ziel, ein imposantes und monumentales Gebäude mit einer schweren Eingangstür aus dunklem Holz: Das Museum für Kunst und Gewerbe.

Ich begebe mich auf eine Reise in die Epoche des Jugendstil.
Ich besuche die Ausstellung „Die große Utopie“.

Diese Kombination aus Sonderausstellung und immer bestehender Sammlung nimmt mich sofort gefangen. Diese faszinierende  Epoche um 1900 herum war in so vielen Lebensbereichen neu, bahnbrechend und ein enormer Umbruch.
In der Kunst mit der Befreiung von allem, was es bisher gegeben hatte. Formen lösten sich auf, die Darstellung der Nacktheit wurde entdeckt, das Innere und Geistige dargestellt, mythische Vorstellungen wurden mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen kombiniert…

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Edvard Munch. Madonna. Faszinierend und  revolutionär die erotische Darstellung einer selbstbewussten Madonna, den Rahmen aus Spermien und den Fötus in der Bildecke.

In den Gesellschaftswissenschaften wurden die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen des Proletariats kritisiert, eine Reformbewegung zu mehr hochwertiger Handwerksarbeit setzte ein, neue Lebensformen wie Vegetarismus, freie Sexualität und das Zurück-zur-Natur-Gefühl kamen auf.
In der Mode wurde das Korsett verbannt und fließenden, körperumspielende und schmeichelnde Kleidung verbreitete sich.

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Mode. Fließende Stoffe, weite Schnitte.

 

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Das Pariser Zimmer. Erworben für das Museum 1900 bei der Weltausstellung in Paris.

Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass nicht nur die Ausstellung, die auch mit Original- Filmdokumenten arbeitet, mich gefangennimmt, sondern dass es auch viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit gibt, denn auch jetzt leben wir wieder in einem großen Wandel. Die Smartphone- und Computer-Technik vernetzt nahezu alle Lebensbereiche und bietet grenzenlose neue Möglichkeiten, gleichzeitig stehen wir vor der riesigen Aufgabe, viele Menschen aus anderen Kulturkreisen bei uns zu integrieren und zugleich unsere Werte und Errungenschaften hochzuhalten.

 

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Alles ist in Bewegung, im Tanz sowie im Inneren des Menschen.
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Neue Formgebung auch bei Alltagsgegenständen.
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